Ein Löwe berichtet aus der Grube

Ein Löwe berichtet aus der Grube über Daniel und die Menschen insbesondere

Seltsam sind sie, diese Menschen. Da kann man mir sagen, was man will. Einfach seltsam.
Es fing damit an, dass sie mich mit Seilschlingen gefangen genommen haben. Ich mag am liebsten gar nicht darüber reden. Ich verstehe bis heute nicht, wie sie das geschafft haben, mich, den Chef des Löwenrudels in diese grässliche Grube zu sperren. Diese nach nichts riechenden, unbehaarten Menschen, die gerade mal ein bisschen laufen können. Und ich bin nicht der Einzige aus dem Rudel, dem dies widerfahren ist. Was für eine Blamage.
Was ich auch sehr seltsam finde ist, dass sie uns aber ab und zu ein paar ihrer Rasse zum Fraß vorwerfen. Ich meine, ich würde ihnen nie einen anderen Löwen ausliefern. Nicht mal meinen größten Feind. Also ich verstehe nicht, warum sie das tun. Aber da Menschen fast keine Haare haben, schmecken sie ehrlich gesagt ziemlich gut. Man kann sich dran gewöhnen. Könnte solche Geschöpfe noch etwas öfter vertragen.
Tja, ich bin jetzt schon eine ganze Weile in dieser Grube und ehrlich gesagt ist hier sonst nicht viel los. Aber letztens ist dann doch mal was passiert. Also das war wirklich SELTSAM! Ich sag ja, ich verstehe diese Menschen nicht.
Nun, eines Abends geht plötzlich die Tür zu unserem Graben auf und ein Mann wird heruntergeworfen. Ein Prachtexemplar von Mensch. Ein Vegetarier und zu hundert Prozent koscher ernährt, erkenne ich sofort. Genau mein Geschmack.
Oben am Grabenrand stehen noch einige Menschen und schauen herab. Einer mit einer goldenen, funkelnden Kopfbedeckung sagt zu dem Mann hier unten: „Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“ Dann wird die Türe zugeschlagen und ein schwerer Stein davorgerollt.
Mann, ich hatte vielleicht einen Kohldampf! Ran an den Braten, dachte ich mir. Bevor die anderen Löwen ankommen. Aber: irgendwas war seltsam. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, doch auf einmal war da noch so ein Mann. Ich weiß nicht, wo der so abrupt herkam, aber es war ein seltsamer Mann. Ein sehr seltsamer Mann. So einen habe ich noch nie gesehen. Ich bin nicht mal sicher, ob das überhaupt ein Mensch war.
Der war groß, hatte zwei Flügel und vor allem dieses unglaublich weiße Kleid an. Der ganze Mann strahlte noch heller als die Sonne, die gerade untergegangen war. Irgendwie war er unheimlich.
Ich wusste: mit dem ist nicht zu spaßen. Und weil er die ganze Zeit bei dem Vegetarier stehen blieb, traute ich mich nicht von der Stelle. Wollte ein anderer Löwe näherkommen, hielt der Leuchtende dem einfach das Maul zu.
Unglaublich. Der beste Braten, den man sich denken kann, und man kann nicht mal in Ruhe essen. Aber alles Knurren half nichts. An den Vegetarier kam ich nicht dran.
Der hatte sich inzwischen hingekniet und betete laut und inbrünstig. Um genau zu sein, er hörte gar nicht mehr auf zu beten. Die komplette Nacht ging das so. Ich konnte kaum schlafen. Aber bei dem hellen Licht hätte ich das eh nicht gekonnt.
Irgendwann hatte ich genug vom Gebet gehört, um zu verstehen, was geschehen war. Der Vegetarier war ein Fürst des Königs mit der goldenen Kopfbedeckung. Ein kluger Kerl, der hervorragende Arbeit leistete und so beten konnte, dass man Gänsehaut bekam.
Ich wusste immer, dass es Gott gibt. Aber dieser Mann hier redete mit ihm, dass man dachte, Gott ist auch wirklich hier. Mitten in der Grube.
Einige Leute waren eifersüchtig auf den Vegetarier geworden, weil der als Fürst zu gut war. Sie wollten ihn aus dem Weg räumen. Dazu überredeten sie den König, ein neues Gesetz zu erlassen. Dreißig Tage sollte man niemand um etwas bitten, außer den König. Also konnte man nicht einmal Gott um etwas bitten. Blödes Gesetz, aber der König ließ sich tatsächlich darauf ein. Der Fürst hörte zwar davon, betete aber trotzdem weiter und wurde natürlich direkt von den missgünstigen Leuten dabei erwischt.
Die schleppten ihn zum König, der gleich erkannte, dass man ihm eine Falle gestellt hatte. Er versuchte, den treuen Fürsten zu retten. Doch die Leute waren so penetrant, dass dem König nichts anderes übrig blieb, als ihn in unsere Grube werfen zu lassen. Und da war er nun und schien nicht wirklich Angst vor Löwen zu haben. Er war einfach per du mit Gott. So was habe ich noch nie erlebt. Das war auch unheimlich und vor allem seltsam.
Ja, und dann, ganz früh am nächsten Morgen, wurde die Grubentüre nochmals aufgemacht. Der König stand wieder oben und fragte ziemlich kläglich: „Daniel, du Knecht des lebendigen Gottes, hat dich auch dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, von den Löwen erlösen können?“ Und der Mensch namens Daniel antwortete ihm: „Der König lebe ewiglich! Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, dass sie mir kein Leid getan haben; denn vor ihm bin ich unschuldig erfunden; so habe ich auch gegen dich, Herr König, nichts getan.“
Da wurde der König sehr froh und ließ Daniel aus dem Graben zu ziehen. Meinen schönen Braten! Und man fand keinen Schaden an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. Als ich mich umdrehte, fiel mir auf, dass auch der Leuchtende verschwunden war. Irgendwie schade. Er war so erhaben.
Da befahl der König die Männer, die Daniel verklagt hatten, herzubringen und zu uns in den Graben zu werfen mitsamt ihren Frauen und Kindern. Und ehe sie den Boden berührten, griffen wir zu und zermalmten alle ihre Gebeine. Hmmm! Das war ein Festessen! Da blieb keiner von uns hungrig.
Ja, das war die seltsame Geschichte von dem Fürsten Daniel und wie Gott alles zum Besten wenden kann für die, die ihm vertrauen.
Ich muss gestehen, seitdem bin ich nicht mehr derselbe. Ich rede jetzt auch manchmal etwas mit Gott. Und fast, ja, beinahe bin ich froh deshalb, dass ich damals hier in dieser Grube gelandet bin. Weil sonst hätte ich das alles nie erlebt.

Dieser Text von christlicheperlen und das Löwenbild dürfen für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden.

Hier kann man die Geschichte auch direkt in der Bibel nachlesen oder als Hörbibel anhören (dort auf das kleine Dreieck vor der 00:00 klicken).

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