Murren für Anfänger

Murren für Anfänger

Ich gestehe, ich habe zur Zeit ein wunderbares Leben. Es war nicht immer so, doch sind es höchstens ein paar Kleinigkeiten, an denen ich momentan noch ein wenig verbessernd herumfeile. Dabei ist aber nichts Aussichtsloses, erst recht nicht mit Gott.
Damit bahnte sich das Problem auch bereits an: eines Morgens wurde ich wach, räkelte mich wohlig im Bett und sah dann etwas verwirrt umher. Moment, da stimmte doch etwas nicht. Etwas war anders, etwas fehlte, doch was? Nach einem Augenblick des Nachsinnens regte sich ein kleiner Stich im Magen. Ich hatte ja gar nichts zu meckern! Nicht das geringste Bisschen. Ich spürte, wie eine eisige Gänsehaut über meine Schulter kroch. Ich würde zum Außenseiter unserer Kultur werden. Man hat`s doch nicht leicht. Das sollte in unserem Land doch wirklich jedes Kind wissen! Ich schnappte nach Luft. Es lag klar auf der Hand: ich stand in Gefahr, aus der Übung zu kommen! Tatsächlich: ich war dabei, das Klagen zu verlernen. Ein Notfall! So konnte es nicht weitergehen! Etwas musste geschehen!
Ich beschloss, dem entschieden entgegenzutreten. Umgehend krempelte ich die Ärmel meines Wellnessschlafanzuges nach oben. Ich würde mich eben einfach mehr anstrengen, um etwas zu finden, worüber ich einmal wieder so richtig von Herzen murren könnte! So lehnte ich mich ins Kissen zurück und sann suchend nach einem Anhaltspunkt für den Neubeginn.
Ja, ich habe manchmal etwas zu wenig Schlaf. Aber das habe ich auch mit der Zeit immer wieder aufgeholt. Ah, mir fällt etwas ein, mir fällt etwas ein! Also das ist mir schon lange ein Dorn im Auge! Doch, es ist wahr: bei mir zu Hause sind Berge. Echte Berge und sie nehmen mir den Platz. Es sind die unerledigten Papierberge, die hier schon seit Urzeiten herumschlummern (Der höchste hat bereits einige Zentimeter erreicht!). Ich nenne diese Gipfel Mount Everest und Mont Blanc und Ätna (denn der könnte zu einem Vulkanausbruch führen). Sie wachsen sogar gelegentlich noch, weil ich lieber Geschichten schreibe und außerdem noch tausend andere Sachen mache, als diese Berge zu versetzen. Na, wenn das kein Grund zum Meckern ist! Sagen Sie selbst: HABE ICH ES NICHT GRAUENHAFT SCHLECHT? Bin ich nicht entsetzlich zu bedauern? Brrr. Ist das Leben nicht abgrundtief finster und ohne jede Hoffnung? Werde ich es überleben? Wird mir auch wirklich keiner helfen?
Na bitte, geht doch! Motzen ist gar nicht so schwer, wenn man nur wirklich will.
Um die Sache für Einsteiger noch weiter zu vereinfachen, habe ich hier extra einige Übungen  zusammengestellt:

Ratschläge für effektives Murren

1.) Lehnen Sie sich zurück, denken Sie daran, wie schlimm alles ist, schauen Sie nach unten und steigern Sie sich immer weiter in dieses Gefühl hinein. Wenn Sie gut sind, können Sie schon morgens so aufstehen und Sie werden sehen:
ES FUNKTIONIERT!
2.) Wiederholen Sie den ganzen Tag Phrasen des Zweifels! Wenn Sie möchten, können Sie auch längst verblichene Experten zitieren:
Was sollen wir trinken? 2. Mose 15, 24b
Ach dass wir in Ägyptenland gestorben wären oder noch stürben in dieser Wüste! 4. Mose 14,2b
Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und der Kürbisse, der Melonen, des Lauchs, der Zwiebeln und des Knoooooohblauchs.  4. Mose 11,5
Sie können diese Verse auch über Ihrem Schreibtisch aufhängen.
3.) Rechnen Sie nicht mit himmlischer Hilfe.
Vermeiden Sie zuversichtliche Sätze wie:
Lasst uns hinaufziehen und das Land einnehmen. Aus 4. Mose 13, 30
Gott ist mit uns.  Z.B. Psalm 46,8 / 2. Chronik 32,8 / Matthäus 1,23
Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel. Philipper 2,14
4.) Teilen Sie sich anderen mit!
Helfen Sie auch anderen, einfacher negative Stimmung aufzubauen. Sammeln Sie Mitleid. Werben Sie für Verständnis. Scharren Sie Jünger für die Sache des Volkes zusammen. Wunderbar! Und nun bleiben Sie auf Kurs!

Puh. Ich bin vielleicht beruhigt. Fast wäre ich vom rechten Wege abgekommen. Doch konnte ich gerade noch einmal das Steuer herumreißen. Nun kann es mit Volldampf weiter bergab gehen.

Wissen Sie was? Meine Probleme möchte ich haben!

(Diese Anleitung wurde von christlicheperlen verfasst und darf für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden.)

Das Bild zeigt die friedliche Ruhe, die in der Wüste wieder eingekehrt war, nachdem die Murrer dort bedauerlicherweise ihr Ende gefunden hatten. Nur ein Kamel schüttelt noch den Kopf.

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