Die Taufe aus Sicht der Fische

Die Taufe aus Sicht der Fische

Am Anfang habe ich mich ziemlich geärgert. Wissen Sie, man hat es nicht leicht als Fischmutter. Auf all die empfindlichen Fischeier aufpassen bei Hoch- oder Niedrigwasser oder den gefährlichen Tieren, die so unterwegs sind, das kann echt stressig sein. Nicht zu vergessen die Problem-Eier, die immer mal dazwischen sind. Hatten Sie schon mal einen Schwarm pubertierender Fischteenies zu hüten? Dann wissen Sie, wovon ich rede. Und als ob das alles nicht schon genug gewesen wäre, kamen seit einiger Zeit auch noch diese Menschen an mit einem neuen Tick, den sie Taufe nannten. Dabei wirbelten sie jede Menge Schlamm auf und machten einen Krach, der meine Kleinen um ihren dringend benötigten Mittagsschlaf brachte.
Zunächst dachte ich, das sei vielleicht eine neue Sportart. Da stand immer ein langer, dünner Mann mit Kamelhaarmantel im Wasser und die Leute sind der Reihe nach zu ihm in den Jordan gewatet, nur ein paar Meter von uns entfernt. Er fasste sie dann, drückte sie einmal komplett unter Wasser und zog sie wieder heraus. Dann kletterten sie zurück ans Land. Sie standen regelrecht an dafür. Merkwürdige Art zu baden, dachte ich. War ich froh, dass ich die Fischeier geschützt zwischen den Felsen abgelegt hatte. So konnte ihnen nicht wirklich etwas passieren. Aber als dann die ersten von ihnen schlüpften, erwies sich die Sache als regelrechter Segen.
Meine Kinder liebten diese Angewohnheit der Menschen. Nichts machte ihnen mehr Spaß, als mit einem Glas Algenlimo und ein paar Krabbenchips in den Flossen dabei zuzusehen. So waren sie abgelenkt und kamen nicht auf dumme Ideen. Wie lange bleibt der Mann / die Frau unter Wasser? Verschluckte man sich oder war das Wasser zu kalt? Nein, den meisten schien die Temperatur völlig egal zu sein. Und warum sahen die Leute alle so ernsthaft aus? Das konnte ich den Fischkindern leider auch nicht beantworten. So legten sie sich auf die Lauer, wild entschlossen, das Geheimnis zu lüften. Und tatsächlich, wenn man sich ganz ruhig verhielt, konnte man sogar hören, was gesprochen wurde. Menschen bekannten ihre schlechten Taten und wurden dann von dem Mann mit dem Kamelhaarmantel, den sie Johannes den Täufer nannten, im Wasser getauft  zur Reinigung von ihrem alten Leben.
Irgendwie schön war das. Sie konnten einfach noch einmal völlig neu anfangen und waren oftmals ganz erleichtert.
Auch Johannes selbst sprach viel: „Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dem ich nicht genugsam bin, seine Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Und er hat seine Wurfschaufel in der Hand: er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.“ Also wer keine gute Frucht brachte, genauer gesagt gute Taten verrichtete, würde wie ein Baum gefällt werden. Mit anderen Worten auch: er würde von dem, der kommen sollte, wie die Spreu weggefegt werden, wenn der Weizen geerntet war.
Wir Fische sahen uns an und waren echt beeindruckt. So etwas hatte uns noch nie jemand gesagt. Doch wen meinte Johannes mit diesem: „Der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dem ich nicht genugsam bin, seine Schuhe zu tragen; der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ ? Auch die Antwort kam rasch.
Ein junger Mann von etwa dreißig Jahren verlangte bald darauf von Johannes getauft zu werden. Dieser wehrte ab: „Ich bedarf wohl, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“ Der Mann antwortete: „Lass es jetzt so sein! So gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“
Da taufte Johannes den Mann, wie der es gewollt hatte.
Und dann stockte uns der Atem. Eine göttliche Gegenwart erfasste mit einem Mal die Fluten und vielleicht auch die ganze Umgebung. Es… es war einfach wunderschön. Es war wie ein Gefühl von Wärme, Lieblichkeit und zu Hause sein. Fast geht mir noch eine Schauer über das Rückgrat, wenn ich daran denke.
Als der Ankömmling wieder aus dem Wasser aufgetaucht war, tat sich plötzlich der Himmel über ihm auf. Wie eine Taube kam der Geist Gottes auf ihn herab. Eine tiefe, machtvolle Stimme vom Himmel erklang: „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.“
Es war erstaunlicher als alles, was ich je erlebt hatte. Ich war so benebelt, dass ich nicht mehr viel mitbekommen habe. Die Stimme Gottes hallte in mir nach und ich wünschte, ich hätte keine Flossen, sondern laufen können. Dann wäre ich dem Mann gefolgt, als er das Wasser verließ. Ich wäre nie mehr von seiner Seite gewichen. Immer hätte ich in dieser unbeschreiblichen Wärme leben wollen. Niemals hatte ich solch ein Glück verspürt.
Doch hielt etwas davon auch noch an, als er bereits lange gegangen war. Wir waren nicht mehr dieselben Fische wie vorher. Wir wollten sein wie er. Wir wollten nicht mehr sein wie Bäume, die keine Frucht bringen. Unser Ton und unser Tun hatte sich geändert.
Es gab noch viele Taufen danach im Jordan und sie haben bis heute nicht aufgehört. Aber sie haben uns niemals mehr etwas ausgemacht. Wir lieben es, wenn Menschen ihr Leben Gott geben. Wenn sie diesen Bund mit ihm schließen. Jeder sollte das tun. Und jeder sollte von dem Mann mit dem Heiligen Geist und mit Feuer getauft werden.
Apropos: Sind Sie eigentlich schon getauft?

Diese kleine Geschichte wurde von christlicheperlen verfasst und darf für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden.

Der biblische Bericht zur Taufe des Johannes ist nachzulesen in Matthäus 3.

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