Gott erhört Gebet

Gott erhört Gebet

Zwei Berichte aus dem „Christlichen Kinderfreund“ des Waisenhauses in Halle, veröffentlicht im Jahre 1833

Eine christlich gesinnte Frau in Magdeburg lebte mit ihren Kindern in der bedrückendsten Armut. Eines Tages hatten sie nichts zu essen, und eins der Kinder klagte über Hunger. „Geh“, sagte die Mutter, „und bete, dass Gott Rat schaffe. Denn ich kann dir nichts geben.“ Das Kind folgte in Einfalt. Inzwischen brachte jemand Brot und einen Reichstaler. Das Kind kam wieder und sagte zur Mutter: „Ich habe gebetet.“ – „Und du bist erhört“, antwortete die Mutter mit tränenden Augen. „Siehe! Hier ist Brot und Geld!“

Ein Mann, der einen Einnehmerposten bekleidete, war nicht recht pünktlich in Führung seiner Rechnungen gewesen. Es fand sich daher, dass eine bedeutende Summe fehlte, die er nun aus seinem Vermögen ersetzen sollte. Sein ganzes Vermögen aber bestand bloß in dem Hause, das er bewohnte, und es war daher von Obrigkeitswegen verfügt, dass dieses Haus verkauft werden sollte. Auch der Verkaufstermin war schon festgesetzt. Je näher dieser herbei rückte, desto mehr erfüllte Kümmernis und Sorge die Herzen in der ganzen Familie. Der Vater, welcher krank war, und die Mutter mit den Kindern taten sehr ängstlich. Denn sie sahen ihren völligen Untergang vor Augen, wenn ihnen das Haus, ihr ganzes Eigentum, genommen wäre.
Da ging die Frau in ein stilles Gemach, warf sich auf ihre Knie und betete brünstig zu dem Allmächtigen um Hilfe. Davon wussten aber die Ihrigen nichts. Nur wunderten sie sich, dass die Mutter mit einem Male so heiter geworden wäre. Recht auffallend war ihre Heiterkeit am folgenden Tage. Man fragte nach der Ursache, und sie erzählte Folgendes: Sie habe sich nach dem Gebet besonders gestärkt gefühlt, und es sei ihr gewiss gewesen, dass Gott helfen werde. Darauf habe sie in der Nacht noch einen sonderbaren Traum gehabt. Es sei ihr vorgekommen, als müsse sie in ein tiefes Tal hinuntergehen, aus welchem sie keinen Ausweg – weder auf der einen, noch auf der anderen Seite – habe erblicken können. Als sie aber in die engste Tiefe gekommen sei, habe sie jenseits einen bekannten Mann im Orte (sie nannte ihn mit Namen) bemerkt, der habe ihr zugerufen und gesagt: Komme sie nur getrost, ich will ihr helfen. Das habe sie getan, und zu ihrer größten Freude habe der Mann ihr glücklich hindurch geholfen. Und nun setzte sie hinzu: „Ich glaube, es ist dies ein Wink von Gott. Wenigstens will ich zu dem Manne gehen, und ihn um Hilfe ansprechen. Gott kann ja wohl sein Herz regieren.“ –
Kaum hatte sie dies den Ihrigen erzählt, so klopft etwas an ihre Tür, und siehe, es tritt die Magd eben des Mannes herein, von dem jetzt die Rede gewesen war. Sie hatte den Auftrag, der Frau zu sagen, sie möchte zugleich zu ihrem Herrn kommen, weil er etwas Nötiges mit ihr zu reden habe. Vor Staunen wusste die Frau erst nichts zu antworten. Endlich sagte sie der Magd, sie werde sogleich kommen und um so lieber, da sie es soeben selbst im Sinne gehabt hätte.
Als sie nun zu dem gedachten Herrn kam, empfing sie dieser mit aller Freundlichkeit und sagte: „Eure Not, ihr lieben Leute, ist mir bekannt. Ich habe diese Nacht euretwegen fast gar nicht schlafen können, und ich will ihr einen Vorschlag tun. Ich habe so viel Geld gerade liegen, als euch jetzt nötig ist. Das will ich euch ohne Bürgschaft geben, wenn ich nur von euch eine Handschrift erhalte. Dann wird euch niemand aus eurem Hause treiben, und ihr bleibt, was ihr seid.“ Mit Vergnügen ward der Vorschlag angenommen und mit Freudentränen Gott für diese augenscheinliche Hilfe und Gebetserhörung von der ganzen geretteten Familie gedankt.
„Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Psalm 50,15

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