Die Fabel von der Taube und dem Wolf

Die Fabel von der Taube und dem Wolf

Ein Wolf traf eines Tages eine Taube, die auf einem Baum saß. Es verdross ihn, dass sie so gut gelaunt war und außerdem knurrte sein Magen. So fragte er mit scheinheiliger Freundlichkeit: „Guten Morgen Frau Taube, Sie sind ja heute mal wieder in bester Stimmung?“ „Aber ja.“, antwortete die Taube, „Warum sollte ich das auch nicht sein? Sieh nur den herrlichen Sonnenschein. Und wie schön Gott alles gemacht hat!“ „Gott, glaubst du wirklich noch an Gott?“, brummte der Wolf missgestimmt. „Selbstverständlich! Warum denn nicht?“, gurrte die Taube. „Na, wenn es wirklich einen Gott gäbe, dann würde er wohl kaum all das Schlimme in dieser Welt zulassen. Oder er wäre selbst böse und dann wollte ich nichts mit ihm zu tun haben.“ „ Das sagst gerade Du“, erwiderte die Taube mit einem kleinen Schmunzeln. Behaglich reckte sie ihren Schnabel der Sonne entgegen und fuhr fort: „Sofern etwas Schlimmes geschieht, haben wir Tiere uns das doch häufig selbst eingebrockt. Gott hat uns doch einen freien Willen gegeben. Aber er vergibt uns auch, wenn wir ihn ehrlich darum bitten. Man kann Gott für gute Dinge jedenfalls immer um Hilfe bitten. Es gibt stets die beiden Möglichkeiten: sich an ihn zu wenden oder sich gegen ihn zu stellen. Wer ihn anklagt, kann natürlich nichts erwarten. Er ist zwar ein liebevoller Gott, aber ja kein Dummkopf. Und was, wenn Dein Leben hier mal zu Ende ist?“ „Ach, papperlapapp, was dann!“, echote der Wolf, „Wo gibt`s denn so was: ein Leben nach dem Tod!“ „Das ist doch ganz klar“, wunderte sich die Taube und erklärte kopfschüttelnd: „Es gibt doch immer beide Seiten: Leben und Tod, Sommer und Winter, Tag und Nacht, Norden und Süden, schwarz und weiß, heiß und kalt, Gott und den Teufel, Himmel und Hölle, oben und unten, Plus und Minus, etc.“ „Was Du nicht alles weißt“, zischte der Wolf. In diesem Moment brummte sein Magen besonders laut, so dass er sehnsüchtig noch näher an den Baum herankam. „Also wenn es einen Himmel gibt, werde ich auch so hineinkommen. Ich bin schließlich auch kein schlechterer Wolf als die anderen. Aber willst du nicht mal da runterkommen? Ich verrenke mir ja fast den Hals, wenn ich so mit dir rede.“
Die Taube schnappte nach Luft: „Nun, komisch finde ich das schon: du willst nicht mit Gott reden, aber trotzdem in den Himmel gelangen. Nur wer da rein darf, entscheidet ja wohl immer noch Gott. Und einfach seinen Beistand ausschlagen… Nein, so möchte ich nicht denken. Da zieht es mich doch eher nach oben.“ Sprach`s, hob die Flügel und flog mit elegantem Schwung dem herrlichen Licht entgegen. Der Wolf aber fauchte wütend und mit knurrendem Magen hinterher.

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Diese Fabel wurde von christlicheperlen verfasst und darf für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden.

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