Gottes Entschluss

Gottes Entschluss

Es war vor etwa 2000 Jahren. Da schritt Gott gedankenverloren im himmlischen Thronsaal auf und ab. Der Engelgesang zog an ihm vorbei, ohne dass er ihn hörte. Selbst den herrlichen Duft der blühenden Bäume des Lebens, der von draußen hereinzog, nahm er nicht mehr wahr. „Ich mache mir Sorgen“, sprach er leise vor sich hin. „Die Menschen gehen beständig auf falschen Wegen. Ich hatte sie geschaffen, um mit ihnen zusammen zu sein und Freude mit ihnen zu haben. Alles hatte ich auf`s Beste für sie vorbereitet, hatte einen idealen Garten für sie gepflanzt. Doch dann fielen eine Reihe meiner Engel von mir ab und stifteten auch die Menschen zu falschen Taten an. Sie fingen an zu morden, zu stehlen, sie verdarben die Natur und gaben mir dann noch die Schuld, als sie Probleme bekamen.“ Er blieb an einem Fenster stehen und sah auf die goldene Stadt hinab. Das Gold schimmerte wie reinstes Glas und die Perlentore der Stadt funkelten in den phantastischsten Farben. Gott seufzte, was die musizierenden Engel erstaunt verstummen ließ. „Wenn die Leute doch nur verstehen würden, dass ich es bin, der ihnen helfen kann. Und dass ich ihr Freund sein will. Aber die meisten wollen einfach nichts von mir wissen, obwohl ich sie geschaffen habe. Und manche kommen nur, wenn sie etwas brauchen und scheren sich sonst nicht um mich. Oh, wie ich die Sünde und all`den Schmutz dort unten hasse.“ Er drehte sich um und sah zu den himmlischen Heerscharen hinüber. „Ich muss etwas tun!“ fügte er nun laut hörbar in deren Richtung hinzu. Es war zu sehen, dass er soeben einen Entschluss gefasst hatte. „Gabriel, ich habe einen Auftrag.“, sagte er deutlich. Der Engel trat vor und verneigte sich. „Jawohl, mein Herr.“, antwortete er. „Gabriel, fliege auf die Erde und sage Maria im Lande Israel, ich werde meinen Sohn in sie hineinlegen. Er soll die Menschen zurückführen zu mir.“
In diesem Moment ertönten Geräusche vom Eingang des Thronsaals. Michael, der mächtige Erzengel,  trat von dort vor und verneigte sich. „Mein Herr, die Nachrichten von der Erde bleiben schlecht. Ein Reich nach dem anderen übertrifft sich mit Blutvergießen und der Unterdrückung von Menschen. Man reißt so viel Gut an sich, wie nur möglich. Folterung und Ausbeutung sind an der Tagesordnung.“  „Ich weiß“, antwortete Gott und runzelte die Stirn. „Ich werde meinen Sohn auf die Erde senden. Er wird genügend Aufsehen erregen, um alle zum Nachdenken zu bringen, die es noch wollen. Er wird sie lehren, in Frieden zu leben und ihren Nächsten zu lieben. Viele werden an ihn glauben und ihm ihr Leben weihen. Er wird bei ihnen sein in jeder Lage.“ „Mit Verlaub, mein Herr, sie benehmen sich zum Teil schlimmer als die Tiere. Sollen wir sie nicht lieber vernichten? Sie werden sonst noch manches anrichten.“ „Nein, dann treffen wir auch die Unschuldigen. Wir geben ihnen noch eine Chance. Ich weiß, viele werden diese Möglichkeit ergreifen und zu unserem Lager dazustoßen. Die anderen wird eines Tages das gerechte Gericht treffen.“ Michael zögerte einen Moment. Dann holte er tief Luft und wagte zum ersten Mal in seinem Dienst einen weiteren Einwand: „Mein Herr, so wie die Menschen sind, fürchte ich, sie werden Euren Sohn womöglich sogar töten.“ Gott senkte den Kopf, lange fiel kein Wort. Die Engelschöre schwiegen noch. „Ich weiß“, kam es leise zurück. „Sein Blut wird der Preis sein für die Sünde der Menschen. Dadurch können alle ihn um Vergebung für ihre Fehler bitten. Er hat mit seinem Leben für alles bezahlt. Dies soll für alle gelten, die sich nur ehrlich an ihn wenden und umkehren von ihren falschen Wegen. Mein Sohn und ich werden den Menschen damit zeigen, wie sehr wir sie lieben.“ Der Erzengel wechselte das Thema: „Außerdem gibt es Anzeichen von einer großen Dürrekatastrophe. Die Ernten werden in weiten Landesteilen verderben. Menschen werden verhungern, es läuft auf Kämpfe um die fruchtbaren Gegenden und Wasserquellen hinaus.“ Gott verzog den Mund. „Ich werde meinen Sohn senden.“, entgegnete er entschieden. „Mein Sohn wird sie lehren, ihre Güter zu teilen und sich gegenseitig zu helfen, statt bloß an den eigenen Luxus zu denken. Er wird auch zeigen, dass er imstande ist, Wunder der Brotvermehrung zu tun. Er wird nicht immer auf die gleiche Weise helfen, aber er wird helfen, wenn man sich nur an ihn wendet. Dies und anderes wird ein Anlass für viele sein, ihn zu suchen und lieben und geben zu lernen. Die übrigen werden im Gericht verurteilt.“ Gott machte eine energische Geste mit der Hand. „Das reicht, Michael. Für alle weiteren Punkte wird ebenfalls mein Sohn sorgen. Wenn das Böse überhand nimmt, werde ich das Ende einläuten. Bis dahin ist der Weg zum Thron frei für jeden, der zu kommen und dem Guten zu folgen wünscht. Gabriel, gehe zu Maria. Es ist Zeit, dass mein Sohn auf die Erde kommt. Ich kann es kaum erwarten, ihm meine Liebe zu geben. Und ich kann es kaum erwarten, all` die zu empfangen und zu begleiten, die  sein Angebot annehmen werden.“ Gott drehte sich zu den Chören um und erhob das Zepter: „Engelchöre, singt! Singt zur Feier der Ankunft des Sohnes Gottes!“

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Diese Geschichte wurde von christlicheperlen verfasst und darf für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden.

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