Das Eselsfüllen berichtet vom Einzug Jesu in Jerusalem

Das Eselsfüllen berichtet vom Einzug Jesu in Jerusalem

Menschen sind manchmal seltsame Geschöpfe. Da schreien sich zwei von ihnen an und der eine brüllt: „Du Esel!“ Darauf antwortet der andere mit „Du Trampeltier!“ Haben Sie schon mal einen Esel gesehen, der einen anderen Esel mit „Du Mensch!“ beschimpft? Ich noch nie.
Ich weiß nicht, warum die Menschen manchmal so undankbar uns Eseln gegenüber sind. Dabei haben wir ihnen schon so viel Nutzen gebracht. Geschätzt wird das selten. „Wer sich zum Esel macht, dem will jeder seine Säcke aufladen.“, hörte ich erst letztens wieder einen Mann zu seinem Kollegen sagen. Doch zum Glück sind nicht alle so.
Ich erinnere mich zum Beispiel an den Mann, der zum ersten Mal auf mir geritten ist. Ich war noch ziemlich jung, ein Esel, der in Bethphage in der Nähe des Ölbergs aufgewachsen war und nicht viel erlebt hatte. Meine Mutter passte auf mich auf und manchmal begleitete ich sie, wenn die Menschen sie wieder beladen hatten und sie die Dinge transportieren musste. Hinterher gab es oft eine gute Portion Heu, das schmeckte vielleicht! Mutti war stark und ich bewunderte sie wirklich. Aber mit zunehmendem Alter erfasste auch mich der Tatendrang. Warum waren wir so viel an der Leine angebunden und durften nicht öfter weg? Und warum traute mir niemand zu, dass auch ich etwas leisten konnte? Immerhin konnte ich schon sprechen. „ia“, das war zum Beispiel das erste Wort, das ich gelernt habe. Leider klingen für die Menschen alle unsere Worte mehr oder weniger nach „ia“. Eines Tages jedenfalls standen Mama und ich mal wieder außen an der Wegscheide des Marktes. Weiter reichte die Leine nicht, mit der wir an der Türe festgebunden waren. Es war warm und ein bisschen langweilig, weil unsere Menschen uns mal wieder stehen ließen. Da kamen auf einmal zwei unbekannte Männer auf uns zu. Sie begannen, unsere Leinen zu lösen. Sie wollten uns doch nicht etwa mitnehmen? „ia, ia!“, brüllte ich. Eigentlich sahen sie nett aus, aber irgendwie war mir die Sache nicht ganz geheuer. Unsere Leute hörten mich rufen und kamen herbei. „Hey, warum macht ihr das? Warum löst ihr das Füllen ab?“, fragten sie. Die beiden Männer erwiderten: „Jesus schickt uns. Der Herr bedarf der Tiere.“ Jesus? Ich traute meinen Ohren nicht. Das war der berühmteste Prediger in Israel. Ich hatte schon viel von ihm gehört. Jeder kannte seinen Namen. Er konnte Krankheiten heilen und erstaunliche Wunder vollbringen. Zum Beispiel konnte er aus fünf Broten und zwei Fischen so viel Essen machen, dass tausende von Menschen satt wurden. Ob er wohl so auch Heu vermehren konnte?
Als die beiden Fremden mitteilten, Jesus habe sie geschickt, da durften sie uns mitnehmen. Ich konnte es kaum fassen. Endlich würde ich ihn kennenlernen! Mama lief an meiner Seite. Auch sie war ganz gespannt. Schon von weitem hörten wir den Menschenlärm. Und dann sahen wir ihn. Er war umringt von seinen Jüngern, ein fröhlicher Haufen. Offensichtlich wollten sie nach Jerusalem, nicht allzu weit von hier. Das war immerhin die Hauptstadt von Israel. Und Jesus wollte durch das Stadttor reiten. Kaum zu glauben: er wollte auf meiner Mama in die Stadt reiten. Der gefragteste Mann im ganzen Umkreis! Doch nein!
Als wir ihn erreichten, drehte er sich zu uns um und sah uns an. Ich wusste sofort, dass er es war. Seine Augen gingen von Mama zu mir und er lächelte. Ein Gefühl von Wärme überkam mich, doch anders als die Wärme der Sonne. Es war wie eine Schauer, schön und atemberaubend zugleich. Noch nie hatte ich so jemanden gesehen. Seine Augen blieben an meinen hängen, noch immer lächelte er. Und da wusste ich: ich würde es sein! Auf mir würde er reiten! Dieser Mann, um den sich all die Leute drängten… sie würden auch auf mich sehen! Ich fühlte, wie ein leichter Taumel und dann Kraft mich durchströmte, in einem Augenblick schien ich ein ganzes Stück zu wachsen. Ich richtete mich auf und drückte die Knie durch. Ich und jung? Niemals! Ich war stark und ich hatte vier Beine, ich würde es schaffen!
Sie legten ein paar Kleider auf meinen Rücken und halfen Jesus beim Aufstieg. Für einen Moment sah ich zu Mama hinüber, sie strahlte vor Stolz. Ich schluckte, fast wollten ein paar Tränen kommen, doch dafür war ich schon zu alt.
Die Jünger breiteten Kleider auf den Weg, einige brachen auch Zweige von den Bäumen und warfen sie vor uns hin. Und dann ging es los Richtung Jerusalem. Vor und hinter uns jubelte man laut: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“, und ich war mitten drin. „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt, ein König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Ich wusste, es stimmte: ja, er war der König des Himmels und der Erde, der König der Ewigkeit! Hosianna heißt: Hilf, Herr! Auch ich rief ein paar mal laut „Hosianna!“ Doch leider verstanden die Leute mal wieder nur das „ia“ daraus. Die Bewohner der Stadt kamen uns entgegen und schwenkten Palmenzweige. Die Freude steckte alle an. Nur ein paar eifersüchtige Pharisäer beschwerten sich bei Jesus: „Meister, strafe doch deine Jünger!“ Er antwortete aber: „Ich sage euch: Wo diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Als wir zu Jerusalem einzogen, war die ganze Stadt auf den Beinen. Keiner konnte diese Menge an Menschen übersehen oder überhören. Viele Leute erzählten dabei von den Wundertaten Jesu. Alle verrenkten sich den Hals, um ihn zu sehen. Meine Mutter war dicht hinter uns, immer bereit, zu übernehmen, wenn ich nicht mehr konnte. Doch ich konnte, und wie! Entschlossen trug ich Jesus sicher durch das ganze Getümmel, bis wir am Tempel ankamen. Dort stieg er ab, strich mir und Mama über das Fell und ging mit seinen Jüngern in den Tempel. Er blieb dort bis zum Abend. Mutter und ich wurden deshalb wieder zurückgebracht. Trotzdem werde ich diesen Tag nie vergessen. Ich hatte den König getragen! Mich hatte er erwählt!
Einige Tage später hörte ich dann, dass der gleiche Jesus, der so sehr bejubelt worden war, durch die neidischen Pharisäer zum Tod am Kreuz verurteilt wurde. Für viele Jünger brach die Welt zusammen. Es dauerte eine Zeit, bis sie verstanden: er bezahlte mit seinem Tod für die Schuld der Menschen. Er nahm die Schuld auf sich, man muss ihn nur um Vergebung bitten. Man kann seine Lasten an ihn abgeben, wie man uns Tieren Lasten übergibt. Als Lasttier weiß ich heute, wie groß die Bedeutung seines Opfers war. Leider verstehen das nicht alle. Man muss Jesus sagen, dass man es auch bewusst für sich in Anspruch nimmt.
Doch schließlich, drei Tage nach seinem Tod gab es dieses riesige Erdbeben. Und danach hieß es, er sei auferstanden und viele seiner Jünger hätten ihn gesehen. Noch einige Wochen später hieß es dann, er sei mit einer Wolke im Himmel verschwunden. Die Jünger waren danach nicht mehr zu bremsen. Tag für Tag waren sie im Tempel, predigten und die Gemeinde wuchs und wuchs.
Ich aber muss immer an diesen Blick von Jesus denken und an den Einzug in die Stadt. Ich halte dieses Gefühl fest, diesen glücklichsten Moment meines Lebens! Ansonsten wurde ich seit diesem Tag mit vielen Aufgaben und Gepäckstücken betreut. Ich erledige alles gewissenhaft. Irgendwie habe ich die Gewissheit, dass Jesus das sieht und sich darüber freut. Deshalb rede ich auch öfter zu ihm, bitte ihn auch manchmal, mir zu helfen. Ich bin sicher: jeden will er gebrauchen, jeden ruft er in seinen Dienst! Jesus – er versteht eben Menschen und Esel!

Palmsunday anes-16

Diese Geschichte wurde von christlicheperlen verfasst und darf für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden. Man kann die biblischen Berichte z. B. in Matthäus 21, 1 – 10  und Lukas 19, 28 – 39  nachlesen.

Alle Artikel zu Ostertexten, zu Palmsonntag, oder zur Auferstehung untereinander oder die Artikel der ganzen Kategorie Ostern untereinander. Zu den Osterfilmen, zu den Osterkarten und Bildern, zu den Bastelideen für Ostern, den Rollenspielen zu Ostern, zu den Osterquizzen, zum Abendmahl, über Bastelanregungen zum Abendmahl, über die Fußwaschung, zu Bastelideen zur Fußwaschung.oder zu den Osterliedern.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: