Des Großvaters Gebet

Des Großvaters Gebet

Im Staate Massachusetts lebte eine Mutter, die nicht nach Gott fragte, und auch ihre Kinder entsprechend erzog. Dies war um so trauriger, als sie selbst frühzeitig zu Christus hingeleitet worden war, denn ihr Vater war fromm und gottesfürchtig. Eines Tages besuchte sie mit ihrem fünfjährigen Knaben ihren Vater, der zwei Meilen entfernt wohnte. Sie wollte vor Abend heimkehren, doch ein heftiges Gewitter nötigte sie zu bleiben. Nach dem Abendbrot versammelten sich alle Hausgenossen um den Hausvater. Dieser las aus einer alten Bibel ein Kapitel vor und betete dann. Ebenso tat er am folgenden Morgen.
Der fünfjährige Knabe merkte sich das, und als er am nächsten Tag mit seiner Mutter nach Hause kam, fragte er sie ganz ernst und nachdenklich: „Mutter, warum tut Vater nicht, wie Großvater tut?“ Seine Mutter ward über diese Frage verdrießlich, und sagte ihm, er solle spielen. Allein nach einer kleinen Weile kam er wieder und fragte noch nachdenklicher: „Mutter, warum tut Vater nicht, wie Großvater tut?“ Sie hieß ihn unwillig weggehen. Er ging, kam aber wieder und fragte zum dritten Male: „Mutter, warum tut Vater nicht, wie Großvater tut?“ Um ihn zufrieden zu stellen, fragte sie ihn: „Wie tut denn Großvater?“ – „Ei, er nimmt eine große Bibel und liest, und dann betet er.“ – „Wohl,“ sagte die Mutter, „frag Vater darum, wenn er wiederkommt.“
Am Abend wollte die Mutter den Kleinen frühzeitig zu Bett bringen. Jedoch weigerte er sich. Er müsse warten, erklärte er, bis Vater wiederkomme. Erst nach acht Uhr kam der Vater. Sobald er zur Tür hereintrat, lief der Sohn dem Vater entgegen und fragte: „Vater, warum tust du nicht, wie Großvater tut?“ – „Geh zu Bett!“ sagte der Vater. „Was machst du so lange auf?“
Am anderen Morgen, als der Kleine aufgestanden war, setzte ihn seine Mutter in sein Stühlchen und sein Essen vor ihn auf den Tisch. Er rührte es nicht an. Er saß da und sah traurig vor sich hin. Die Mutter fragte ihn: „Warum isst du nicht?“ Er gab keine Antwort, sondern saß bewegungslos da. Sie fragte ihn auf`s Neue: „Warum isst du nicht?“ – Da antwortete er: „Ich wollte gern erst beten und dann essen. Aber niemand wollte mit mir beten. Da wollte ich`s selbst versuchen.“
Das war der Mutter zu viel. Sie konnte sich nicht länger halten, und ging in ein anderes Zimmer, um ungestört zu weinen und zu Gott um Gnade zu flehen. Sie erzählte dann ihrem Mann, was vorgefallen war, und auch er war tief ergriffen. Ohne Aufschub suchten und fanden sie beide den Heiland, und brachten ihm hinfort jeden Morgen und Abend das Dankopfer begnadigter Herzen dar. Sie zogen nochmals nach Ohio, wo der Vater bis zu seinem Tod Kirchenvorsteher war. Der Kleine aber, der jetzt aber längst zum Mann herangereift ist, ist eine Zierde seiner Kirche geworden.
Eltern, vielleicht haben auch eure Kinder schon gedacht: „Wird nicht mein Vater (oder meine Mutter) mir einmal von Gott und vom lieben Heiland erzählen? Werden sie nicht mich beten lehren und mit mir beten?“ – O ihr Väter und Mütter! Was wollt ihr auf diese Frage antworten?

031

Aus den „Christlichen Geschichten“ von L. S. Jacoby, 2. Auflage im Jahre 1857, gekürzt. Alle Artikel der Kategorie Geschichten von Christliche Perlen untereinander.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: