Die Verwandlung des Nörglers

Die Verwandlung des Nörglers

Man kann immer alles kritisieren. Man muss nur wollen. Und ich war Meister darin.
Bis zu jenem Tag, als ich einem Arbeitskollegen erzählte, es ginge mir seit Jahren schlecht. Um im Nachhinein ehrlich zu sein, war ich das Meiste davon selbst schuld. Ich war einfach grundsätzlich negativ eingestellt, war ein Geizkragen und misstraute jedem und allem. Doch ich kam da nicht raus. Kein Wunder, dass niemand etwas mit mir zu tun haben wollte. Und wahrscheinlich war es die  Einsamkeit, die diese ständigen Rückenschmerzen hervorrief. „Mein Kreuz“, sagen ja viele. Anderen schlägt etwas auf den Magen, oder jemand brummt der Schädel. Ein Kümmernis kann sich wohl auch schon mal körperlich widerspiegeln.
Der Kollege war jedenfalls einer der wenigen, die mich überhaupt noch freundlich fragten „Und, wie geht`s?“ Die übrigen hatten es vermutlich schon aufgegeben. Irgendwie war er etwas Besonderes. Alle im Team respektierten ihn und fragten ihn oft um Rat, auch wenn es Probleme gab. Wir wussten, dass er eine glückliche Familie mit drei kleinen Kindern hatte, hervorragend Geige spielte und das auch regelmäßig in der Kirche tat, die er mit Frau und Nachwuchs besuchte. Dies waren alles Dinge, die ich nicht hatte und eigentlich berichtete ich nicht gerne Details aus meinem Leben. Aber als er mich an diesem Tag in der Pause mal wieder fragte: „Wie geht`s denn so bei dir?“, brach der Unmut statt dem sonstigen kurzen Brummen in Strömen aus mir heraus. Er hörte einfach nur zu, während ich völlig in Fahrt war. Am Ende sah er mich an mit diesem warmen Mitgefühl im Blick. Es lag keine Verurteilung darin, eher schien er mit sich zu kämpfen, ob er etwas Bestimmtes sagen sollte. Schließlich meinte er: „Ich weiß, es klingt vermutlich ungewöhnlich. Aber ich habe den Eindruck, dass es womöglich helfen könnte. Hättest du etwas dagegen, wenn ich einmal für dich beten würde? Vielleicht tut Gott ja etwas für dich.“ Ich sah ihn fassungslos an. War er verrückt geworden? Ich klagte ihm mein Leid und er fragte mich, ob er für mich beten könne. Wollte er mich veräppeln? Doch so sah er nicht aus. Er schien das tatsächlich ernst zu meinen. So etwas war mir noch nie passiert. Völlig verdattert stotterte ich: „Na, wenn du meinst, dass das hilft.“ Er nickte. Wieder war es einen Moment still, dann faltete er die Hände, hob den Blick zur Decke und sagte: „Jesus! (Er sagte tatsächlich Jesus!) Du hast gehört, was hier gesprochen wurde. Du weißt selbst am besten, wo die Probleme liegen. Wir bitten dich, dass du alle diese Schwierigkeiten beseitigst, auch die Rückenschmerzen. Bitte bringe alles in Ordnung. Wir danken dir dafür. Amen.“ Er nahm den Blick von der Decke und sah mich an. Ich konnte es immer noch nicht glauben. Er hatte wirklich sofort seinem `Eindruck´ folgend hörbar für mich gebetet und dabei noch nicht mal die Augen geschlossen. „Na, da bin ich ja mal gespannt.“, meinte ich zweifelnd. Dann mussten wir wieder an die Arbeit.
Es war ein bisschen ruhiger in diesem Dienst, so dass ich mich abends pünktlich auf den Weg nach Hause machte. Unterwegs rempelte mich ein Fahrradfahrer an, wobei meine Aktentasche in den Schmutz fiel. Ich spürte, wie ich gewohnheitsgemäß explodieren wollte, als der Mann anhielt, um sich zu entschuldigen. `Sie Flegel, können Sie nicht aufpassen, wo lang Sie fahren?´wollte ich sagen. Doch ich konnte die Worte nicht aussprechen, obwohl ich mich anstrengte. Mein Mund öffnete sich und ich hörte mich sagen: „Ach das ist doch kein Problem. Es ist doch nichts passiert.“ Der Mann half mir, die Tasche zu säubern. Etwas über mich selbst verwundert ging ich weiter und bald stand ich vor meiner Haustüre. Gerade trat der Hausmeister mit einem Hammer in der Hand heraus. Er war mein ausgemachter Erzfeind. Er bohrte und hämmerte immer, wenn ich Feierabend hatte. Ja, er schien geradezu darauf zu warten, dass ich von der Arbeit kam und legte dann erst richtig los. Ich hasste ihn leidenschaftlich. Ich hob an zu sagen: `Wenn Sie heute noch bohren, rufe ich die Polizei.´ Statt dessen rutschte mir heraus: “Schönes Wetter heute!“
Ich konnte nicht glauben, was ich da hervorgebracht hatte. Er auch nicht. Uns beiden klappte die Kinnlade nach unten. Eine wahnsinnige Eingebung aussprechend fuhr ich fort: „Na, mal wieder fleißig? Sie gönnen sich auch nie eine Pause.“ Ein unerwartetes Glücksgefühl durchströmte mich. Es war der erste Beginn einer Art Freundschaft, die wir zwei Erzfeinde im Laufe der Zeit miteinander schlossen. Manchmal brauchen solche Dinge eben noch ein wenig Zeit.
Zeit brauchte auch ich, um zu verstehen, was da eigentlich vor sich ging. Zeit um zu erfassen, dass etwas in mir sich verändert hatte nach diesem Gebet, welches ich nie vergessen werde. Zeit, um alte Denkmuster abzulegen und zu sehen, wie viel Gutes ich eigentlich hatte. Zeit auch,  um mir Gedanken über diesen Jesus zu machen und sogar selbst mit ihm zu reden. Schließlich noch, um mich eines sonntags in die Kirche um die Ecke zu schleichen. Ich kenne mich nicht wieder und: ich war noch nie so glücklich, Gott sei Dank! A propos Dank.
Sie glauben gar nicht, wofür man Gott alles danken kann. Haben Sie es auch schon mal versucht? Es macht den ganzen Tag schöner und bewirkt, dass Gott einen um so lieber beschenkt. Danke kann ich nur sagen für Arbeit und Kollegen, für das gute Essen, Kleidung, Augen, Ohren, Beine, ja, für eine ausgezeichnete Gesundheit einschließlich des Rückens, für die Kirche, in der ich meine Verlobte kennengelernt habe, für Sonne, Regen, Heizung, Dusche, meine Wohnung und natürlich für den Hausmeister.

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(Diese kleine denkbare Geschichte ersann christlicheperlen.de. Man hätte darin auch auf den Kollegen verzichten und den „Nörgler“ einfach statt dessen selbst beten lassen können. Die Resultate bzw. Erhörungen wären dieselben gewesen. Aber so war es noch einmal nett zu zeigen, dass Gott seine Nachfolger auch gern zur Hilfe für andere einsetzt, die ihm ebenfalls auf dem Herzen liegen. Wie auch immer: Gebet lohnt sich. „Gebet verändert die Dinge“, sagte jemand einmal. Christus hat immer ein offenes Ohr für uns. Haben wir unser Leben in Ordnung gebracht, dürfen wir uns zuversichtlich mit unseren Belangen an ihn wenden. Doch auch für das Gute in unserem Leben verdient er unseren Dank.)

Der Text darf gerne für nicht kommerzielle Zwecke vervielfältigt werden. Alle Artikel der Kategorie Geschichten von Christliche Perlen untereinander.

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