Vertrauen auf Gott

Vertrauen auf Gott

Aus den Christlichen Geschichten von 1857, gekürzt

Unter einem schattigen Baum neben einer Landstraße saß ein wohlgekleideter Mann von mittleren Jahren, um sich von einem langen Marsch an einem heißen Sommertage auszuruhen, ehe er seinen Weg fortsetzte. Nachdem er einige Zeit so dagesessen hatte, sah er einen Knaben des Weges kommen, der anscheinend in Gedanken vertieft war und an ihm vorübergegangen sein würde, wenn er ihn nicht angerufen hätte. Der Knabe erschrak, als er plötzlich die Stimme des Fremden neben sich hörte, gab dann aber freundlich Bescheid und erbot sich, ihn zu begleiten, da er an demselben Ort wohne, wohin der Fremde wollte. So gingen denn die beiden miteinander.
„Ich möchte wohl wissen,“ begann der Fremde „woran du dachtest, als ich dich anredete. Du sahst so ernsthaft aus.“ Der Knabe wurde rot und zögerte mit der Antwort. „Nun, was war`s? Irgend ein Geheimnis, nicht wahr?“ „Nein, es war kein Geheimnis. Wenn Sie es doch wissen wollen, ich dachte darüber nach, woher es doch komme, dass meine Mutter so arm ist.“ „Wieso? Weißt du nicht, wie deine Mutter in Armut geraten ist?“ „O, das weiß ich wohl. Sie kann nicht viel arbeiten und kann auch nicht einmal viel Arbeit bekommen und mir gibt auch niemand Arbeit, weil wir Fremde an dem Orte sind. Ich verstehe auch noch nichts, sonst wollte ich meine Mutter wohl ernähren. Sie sollte nichts tun, sie kann es auch nicht aushalten. Aber das war`s nicht, worüber ich nachdachte. Mutter sagt immer: Gott verlässt die nicht, die auf ihn trauen, und ich weiß gewiss, dass sie auf ihn vertraut und ich weiß auch, dass es wahr ist, denn es steht in der Bibel. Aber eben darum kann ich nicht begreifen, warum Gott uns nicht hilft. Da müssen wir nun wieder die Miete bezahlen und ich weiß nicht, wo sie herkommen soll. Mutter ist nie unzufrieden und murrt niemals, sondern sagt immer, es diene alles zu unserem Besten. Aber ich kann nicht begreifen, wie es zu unserem Besten dienen soll, dass wir solche Not leiden.“ Sie waren jetzt bis an das Städtchen gelangt. „Wie heißt du, mein Sohn?“ „Philipp Reynolds.“ „Reynolds? Wo habt ihr früher gewohnt?“ „In Harfield. Mein Vater war Zimmermann dort. Es ging uns damals besser als jetzt.“ „Gehst du jetzt nach Hause?“ „Ja.“ „Ich will mit dir gehen. Ich habe hier ein Geschäft und ich glaube, deine Mutter wird mir dabei helfen können.“ Philipp sah den Fremden verwundert an. Dieser aber lächelte nur, ohne ihm eine weitere Auskunft zu geben. Als sie die kleine Hütte erreicht hatten, führte Philipp den Fremden herein und wollte ihn seiner Mutter vorstellen. Aber wie staunte er, als diese ihm zuvorkam und dem Mann um den Hals fiel mit den Worten: „Robert, mein lieber Robert!“
Es war der einzige Bruder der Witwe, der nach mehreren Jahren der Abwesenheit in fernen Ländern nun zurückgekehrt und eben im Begriff war, seine Schwester aufzusuchen, als er unerwartet seinen kleinen Neffen auf der Landstraße traf. Die Freude des Wiedersehens kann man sich leicht vorstellen. Alle Not hatte nun ein Ende. Der Onkel war zwar kein reicher Mann, hatte aber doch genug, um seiner Schwester helfen zu können und das tat er auch treulich. Er nahm sie zu sich, um mit ihr zusammen zu leben, da er unverheiratet war und für Philipp sorgte er väterlich. Er schickte ihn erst noch ein Jahr in die Schule um etwas zu lernen und brachte ihn dann in einem passenden Geschäft unter. Auch später sorgte er für ihn, als ob es sein eigener Sohn wäre.

2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Confiar em Deus
    Jul 16, 2018 @ 04:06:35

    Parabéns pela postagem que nos transmite alegria e esperança.

    Gefällt 1 Person

    Antwort

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