Schokolade von Vati

Schokolade von Vati

Es war an einem der besonderen Abende in der Gemeinde, die es neuerdings einmal im Monat gab und die sich bereits großer Beliebtheit erfreuten.
An diesem Abend war der Kirchraum in gemütliche Beleuchtung getaucht. Ein Teil der Stuhlreihen war an der Seite zusammengestellt, statt dessen gab es vorne einen großen Tisch mit Stühlen, Stiften und Papier. Es war keine Predigt vorgesehen, doch einige Musiker spielten mit Piano, Gitarre und Mundharmonika schöne Lobpreismusik, zu deren Texten von Herzen eingestimmt wurde. In den Pausen zwischen den Liedern konnten Menschen nach vorne kommen, das Mikrofon nehmen und einen Eindruck von Gott wiedergeben, ein Erlebnis mit ihm schildern oder der Gemeinde eine Sorge mitteilen und um Gebet bitten. Hatte jemand das Mikro wieder hingelegt und kehrte zu seinem Platz zurück, stand manchmal schon der nächste auf und teilte etwas Kurzes mit.
Unter dem Kreuz auf einer Kommode stand alles für das Abendmahl bereit. Wer wollte, ging dort hin und nahm es ein. An einer Scheibe hing ein Plakat, auf das man schreiben konnte, wie Gott ist und viele gingen vorbei und trugen etwas ein. Gegen Ende des Abends wurde die Sammlung dann vorgelesen zur Ehre Gottes.
Etliche saßen auf Stühlen oder dem Boden und genossen den Gesang, hörten den Ansagen zu oder beteten. Andere zeichneten am Tisch Eindrücke auf, verfassten Gebete oder schrieben Bibelverse nieder. Alles lief in friedlicher Stimmung wie gefügt ab. Eine der Personen, die nach vorne kamen und zum Mikrofon griffen, war eine junge Frau. Sie wohnte wegen ihres Studiums in der Stadt. Ihre Eltern lebten weit entfernt. Daher telefonierte sie öfter mit ihnen. Sie berichtete, wie sie bei einem Telefonat mit ihrem Vater herumgedruckst hatte. Der Vater fragte, was sie wolle. Da wünschte sich die junge Studentin ein Paket mit Schokolade und einer hübschen Karte. Natürlich hätte sie sich die Süßigkeiten auch selbst kaufen können. Aber über ein Päckchen von ihren Eltern würde sie sich viel mehr freuen. Der Vater kannte die Vorliebe seiner Tochter für Schokolade und versprach, welche zu kaufen. Die Mutter sollte sie dann versenden. Innerhalb von einer Woche war ein ansehnliches Paket mit Leckereien bei der Tochter eingetroffen. Fast etwas zu viel für eine Person. Die Studentin hatte einen Teil der einzeln verpackten Süßwaren in dem Paket gemischt und mitgebracht. Nun erzählte sie die Geschichte und lud die Anwesenden ein, nach vorne zu kommen und sich etwas zu nehmen. Sie verglich die Gaben mit denen unseres himmlischen Vaters, der uns so gerne beschenkt. Zunächst traute sich niemand so recht. Doch bei einem der nächsten Lieder flitzte ich nach vorne und setzte mich neben die Kiste in Vorfreude hineinzusehen. Ich witterte nicht nur Schokolade, ich witterte auch Liebe – und wer will die nicht? Ich wählte eine Schokoladenkugel, huschte mit einem kleinen Danke an der Spenderin vorbei und verspeiste die Kugel dann genüsslich. Tatsächlich! Es war Liebe drin!
Ein Mann ergriff später das Wort und versicherte, dass wir als Gottes Söhne und Töchter an seinem gedeckten Tisch sitzen und nur zugreifen bräuchten bei seinen Gaben. Schließlich kam eine Dame nach vorne und wies darauf hin, dass sich bis jetzt nur 5 oder 6 Leute aus der Kiste bedient hätten. Sie hätte mal eine Predigt gehört, dass es dumm sei, am gedeckten Tisch zu verhungern. Manchen Leuten würde Symbolik helfen. Wer Gott um etwas gebeten hatte, könne doch nun nach vorne kommen und sich etwas Süßes nehmen als Glaubenzeichen für die Erhörung. Daraufhin begaben sich eine Reihe weiterer Leute nach vorne und griffen zu. Dies erinnert mich an eine Aussage, die ich einmal gelesen hatte: Wir dürfen uns das Gebet nicht als Überwindung des Widerstandes Gottes vorstellen, sondern als ein Erfassen seiner höchsten Bereitwilligkeit (Richard Trench).
An diesem Abend musste man die Leute aus der Kirche schmeißen. Sonst wären sie noch lange geblieben. Selten so gute Schokolade gegessen.

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