Unerwartete Geschenke

Unerwartete Geschenke

Mit dem warmem Licht, des großen Tannenbaumes, begrüßte der weitläufige Kirchenraum seine Besucher zum Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag. Bevor der Pfarrer die Predigt begann, erwähnte er, dass er noch eine Überraschung für die Gemeinde bereithalte. So mancher machte sich nun seine Gedanken, was das wohl sein könnte. Nach dem Segen kam der Pfarrer wieder auf die bereits erwähnte Überraschung zurück: „Jetzt warten sicher so einige von Ihnen auf das, was ich zu Beginn des Gottesdienstes ankündigte. Manch einer wird auch bereits die Geschenke unter unserer Tanne entdeckt haben,“ schmunzelte er. „Wer möchte jetzt nach vorne kommen und sich ein Geschenk aussuchen?“, stellte er seine Frage in den Raum. Nichts rührte sich. Jeder dachte: „Wenn ich jetzt nach vorne gehe, sieht das gierig aus. Warten wir erst einmal ab.“ Eine Weile ließ der Pfarrer seine Schäfchen gewähren, dann meinte er: „Da ihr euch nicht entscheiden könnt, nenne ich jetzt die Bankreihen und aus der genannten Reihe kommt jeweils einer nach vorne!“ Gesagt, getan. Jetzt fiel die Entscheidung leicht. Schnell war man sich einig. So dauerte es nicht lange, bis alle Päckchen ihren Besitzer gefunden hatten.
Nun ergriff der Pfarrer noch einmal das Wort, bevor er seinen Schäfchen ein gesegnetes Christfest wünschte, um sie in ihre Familie zu entlassen. „Ganz uneigennützig habe ich die Geschenke heute nicht verteilt. Von denjenigen, die sich heute hier etwas aussuchten, wünsche ich mir, dass sie uns im Januar berichten, wie sie ihr Geschenk angewendet haben.“ „Wenn es weiter nichts ist“, sagte Atze, einer aus den Jungen der Gemeinde und hatte die Lacher auf seiner Seite. Alle gingen auseinander, um sich den Festbraten schmecken zu lassen. Manch einer von den Beschenkten wunderte sich zwar über die Leichtigkeit des Päckchens, vergaß es aber auch schnell wieder.
Erstaunt waren jedoch alle Beschenkten, als sie daheim ihr Geschenk auspackten, denn alles, was sie vorfanden, war jeweils ein Zettel auf dem stand: „Ich schenke dir Vertrauen“ oder „Ich schenke dir Verständnis“ oder „Ich schenke dir Aufmerksamkeit“ oder „Ich schenke dir Zeit“. ‚Was hatte sich der Pfarrer nur dabei gedacht, als er diese Päckchen packte?‘ überlegte der eine oder andere. Abends als der Tag sich seinem Ende zuneigte und die Festgäste wieder heimgefahren waren, als die Familien wieder zur Ruhe kamen, kam auch das Gespräch wieder auf diese seltsamen Geschenke des Pfarrers. Nun begann man über den jeweiligen Satz nachzudenken. Es trat Stille ein, die zum Nachdenken anregte und plötzlich kamen die Vorschläge nur so von den einzelnen Familienmitgliedern, was man wohl mit diesen Geschenken anfangen könnte. Plötzlich fanden alle diesen Satz, der sich in ihrem Paket befand, durchaus nicht mehr seltsam, sondern sehr wichtig. Man kam auf die Weihnachtsgeschichte zu sprechen, man dachte über die Geburt damals in Bethlehem nach und darüber was uns die jeweiligen Sätze, verbunden mit den Geschehnissen damals in Bethlehem zu sagen haben und zwar ganz konkret für unser heutiges Leben. Viele Ideen kamen zusammen, so dass am Ende des Abends sich alle auf diesen speziellen Gottesdienst im Januar freuten und darauf ihre Ideen vorzutragen. „Das war doch das schönste Weihnachtsgeschenk“, sagte Atze, bevor er sich in sein Zimmer verzog. „So viel haben wir lange nicht mehr miteinander geredet und diskutiert.“ Alle stimmten ihm zu.

© Christina Telker

Herzlichen Dank an Christina für die freundliche Erlaubnis zur
Veröffentlichung von Text und Bild! Hier ihre Webseiten:

 Christinas Weihnachtsmärchen und Garten der Poesie

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