Räuber Riesenrüpel

Räuber Riesenrüpel

Es war einmal ein Königreich, in dem alle Menschen friedlich und glücklich miteinander lebten. Doch es gab eine Sache, die den Menschen, und vor allem den Kindern, das Leben schwer machte. Ein großer und gefährlicher Räuber, genannt Räuber Riesenrüpel, trieb im Reich sein Unwesen. Er überfiel Postkutschen und Wanderer und machte den Wald unsicher. Alle hatten schreckliche Angst vor ihm und er galt als unbesiegbar. Die Kinder durften seinetwegen nicht mehr draußen spielen, da die Eltern sich Sorgen um sie machten.
Da beschlossen eines Tages vier Kinder, Julian, Fabian, Frida und Anna, den Räuber zu fangen. Heimlich und ohne ihren Eltern etwas zu erzählen, schlichen sie sich aus dem Haus, bewaffnet mit Proviant und einem Seil.
Sie liefen immer tiefer in den Wald und Fabian bekam es mit der Angst zu tun. „Seid ihr sicher, dass wir es schaffen, den Räuber zu fangen?“, fragte er seine Freunde ängstlich.
„Na klar, wir sind doch zu viert und er allein!“, antwortete Julian fröhlich.
Auf einmal erklang hinter ihnen eine fürchterlich tiefe Stimme: „Wer wagt es, mein Revier zu betreten?“

Ängstlich drehten sich die Kinder um. Da stand kein anderer als der gefürchtete Räuber Riesenrüpel. Er war riesengroß und sah sehr stark und gefährlich aus. Julian nahm seinen ganzen Mut zusammen und stammelte: „Wir sind hier, um d..dich gefangenzunehmen. Ergeb dich b..besser gleich“. Da ließ der Räuber ein fürchterliches Lachen ertönen.
„Ich glaube, ich höre nicht richtig!“, brüllte er. „Seit Jahren schickt der König seine besten Männer, um mich zu besiegen. Und jetzt glaubt ihr, ich lasse mich von einer Bande Kinder einfangen?“
„Auf ihn!“, brüllte Julian und warf sich mit aller Kraft gegen den Räuber. Doch der machte nur eine kleine Bewegung mit seinem linken Arm und Julian flog zwei Meter zurück. Die Kinder blickten ängstlich zu Boden.
„Na schön!“, sagte der Räuber mit bedrohlicher Stimme. „Jetzt werdet ihr den Preis für eure Dummheit bezahlen. Ich nehme euch mit in meine Räuberhöhle. Dort lasse ich euch dann für immer für mich arbeiten. Vielleicht mache ich auch einfach Eintopf aus euch!“. Frida begann zu schluchzen.
„Darf ich dir eine Frage stellen, hochverehrter Räuber?“, fragte Fabian. Der Räuber sah sie böse an.
„Na stell schon!“
„Stimmt es, dass du der stärkste Räuber der Welt bist?“, fragte er schmeichelnd.
Der Räuber grinste stolz. „Natürlich stimmt es. Das weiß doch jedes Kind!“
„Und wie viele Liegestützen schaffst du dann?“
„Mindestens tausend!“, gab der Räuber an.
„Du meine Güte, so viele?“ fragte Fabian begeistert. „Aber wie viele Liegestützen kannst du machen, wenn ich dabei auf deinem Rücken sitze?“, fügte er dann nachdenklich hinzu.
„Probieren wir es doch aus!“, rief der Räuber. Der Ehrgeiz hatte ihn gepackt.
Er ging hinunter auf alle Viere und ließ Fabian auf seinem Rücken Platz nehmen.
Die ersten Liegestützen fielen ihm sehr leicht. Doch schon bald geriet er außer Atem. Dreißig, einunddreißig, zweiunddreißig… dann fiel er völlig erschöpft auf seinen Bauch.
„Macht schon, setzt euch allle auf ihn!“ rief Fabian aufgeregt seinen Freunden zu.
Sofort setzten sich die Kinder auf den Rücken und die Beine des Räubers.
„Seid ihr denn völlig wahnsinnig geworden?“, schrie der Räuber wutentbrannt. „Geht sofort runter von mir“
Mit aller Kraft versuchte er, sich zu befreien. Doch immer, wenn er aufstehen wollte, hüpften die Kinder gleichzeitig auf seinem Rücken und er fiel mit wütendem Geschimpfe wieder auf seinen Bauch. Zuletzt war er so geschwächt, dass es den Kindern gelang, seine großen Hände mit dem Seil hinter seinem Rücken zusammenzubinden. Der Räuber war gefangen.
„Das war eine tolle Idee von dir, Fabian!“, lobte ihn Julian begeistert.
„Jeder weiß, wie eitel der Räuber ist, und so ist mir die Idee gekommen“ antwortete dieser stolz.
„Seine Eitelkeit ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden. Hochmut kommt vor dem Fall“, sagte Frida etwas altklug.
Der Räuber merkte, dass er sich nicht befreien konnte und versuchte, die Kinder zu bestechen: „In meiner Räuberhöhle habe ich mehr Gold und Edelsteine, als ihr euch erträumen könnt, und wenn ihr mich freilasst, dann gebe ich euch die Hälfte davon.“
„Kommt gar nicht in Frage!“, rief Anna empört. „Gerechtigkeit ist wertvoller als Gold und Edelsteine. Wir bringen dich hinter Gitter, denn da gehörst du hin!“
Da wurde der Räuber wütend und begann zu drohen: „Meine Räuberkollegen können jeden Moment hier sein und dann könnt ihr was erleben. Ihr solltet lieber schnell das Weite suchen!“
„Du kannst uns keine Angst machen!“, antwortete Julian trotzig, aber sah sich dennoch etwas ängstlich um.
Da hörten sie hinter sich ein Knistern im Wald. Alle zuckten zusammen. Waren das etwa die Kumpanen des Räubers?
Erleichtert atmeten sie auf. Es war nur ein Ritter des Königs, der mit seinem Pferd am Weg vorbeikam.
Der Ritter stieg von seinem Ross und rieb sich ungläubig die Augen; Da lag doch tatsächlich der große, gefährliche Räuber Riesenrüpel gefesselt auf seinem Bauch. Und rittlings auf seinem Rücken und seinen Beinen saßen vier Kinder, die stolz lächelnd zu ihm aufblickten. Der Ritter begann fröhlich zu lachen.
Eine Stunde später kamen der Ritter und die Kinder mit dem Räuber im Schlepptau in der Stadt an. Alle kamen aufgeregt aus ihren Häusern und staunten nicht schlecht: Der Räuber Riesenrüpel trottete gefesselt hinter einem Pferd her, auf dem vier Kinder saßen. Anna hielt das andere Ende des Seils fest und grüßte stolz in die Menschenmenge. Da begannen alle zu jubeln und freuten sich, dass der böse Räuber endlich gefangen war. Die vier Kinder wurden als Helden gefeiert. Nur die Eltern waren etwas sauer. Was hätte nicht alles schief gehen können!
Es wurde beschlossen, dass der Räuber im nächsten Monat vor Gericht gebracht und bis dahin auf dem Marktplatz in einem Käfig ausgestellt werden sollte.
Am nächsten Morgen hüpften die vier Kinder schon in aller Frühe aufgeregt aus ihren Betten. Sie wollten den Räuber im Käfig sehen. Als sie am Marktplatz ankamen, hatte sich bereits eine große Menschenmenge gebildet. Männer, Frauen, Kinder, alle waren sie gekommen, um den Räuber zu verhöhnen. Die Kinder stellten sich vor seinen Käfig und streckten ihm die Zunge raus oder drehten ihm eine lange Nase. Manche warfen mit Tomaten auf ihn. Der Räuber blickte traurig und beschämt zu Boden.
„Hört sofort damit auf! Das ist echt gemein von euch!“, rief Frida wütend.
Die Leute wunderten sich.
Der Schmied fuhr Frida wütend an: „Wie kannst du diesen gemeinen Kerl denn verteidigen? Seit Jahren raubt er uns aus und macht uns das Leben schwer. Er ist von Grund auf böse!“
„Das stimmt nicht!“, antwortete ihm Frida. „Niemand ist von Grund auf böse. Wir können vielleicht böse Dinge tun, aber wir haben immer die Möglichkeit, uns zu ändern. Wir sind alle Kinder Gottes, auch Räuber Riesenrüpel und deswegen müssen wir alle mit Liebe und Respekt behandeln, selbst die, die uns Unrecht getan haben. Der Räuber soll natürlich seine gerechte Strafe bekommen. Aber es ist falsch von euch, ihn so zu behandeln!“.
Die Leute blickten beschämt zu Boden. Sie wussten, dass Frida Recht hatte. Die Menschenmenge begann sich aufzulösen, bis nur noch die Kinder vor dem Käfig des Räubers standen. Mit Erstaunen sahen sie, dass der große Räuber Tränen in den Augen hatte.
„Danke, Frida“, sagte er und lächelte.

Elias und Leonie

Vielen Dank an Elias und Leonie für die Zusendung der wundervollen Geschichte! Sie darf auch weiter vervielfältigt werden. Dafür ebenfalls herzlichen Dank!

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