Verzicht

Verzicht

Gerade haben wir die Zeit der Völlerei, wie Luther sagen würde, hinter uns gebracht. Momentan fällt uns der Verzicht sicher etwas leichter als sonst. Wir sind noch völlig übersättigt, von all den Speisen, die sich unserem Magen anboten, von all den süßen Naschereien, die wir wieder einmal mehr als gut für uns, zu uns nahmen und die wir gerne jetzt einmal liegenlassen. Aber das ist nicht Verzicht, das ist eine Abwehrreaktion unseres Körpers, der sich gegen den Überfluss wehrt.
Gehen wir zurück in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg. Tausende Flüchtlinge sind unterwegs, der Winter naht, sie haben weder Nahrung noch Unterkunft. Sie ziehen wie eins Maria und Josef von Ort zu Ort und von Tür zu Tür, in der Hoffnung, dass ein Einziger, Erbarmen mit ihnen haben möchte. Auch Hanna ist mit ihrer kleinen Tochter unterwegs. Sie weiß nicht wie lange sie es noch durchhalten kann, so entkräftet ist sie. Eine alte Frau sitzt am Fenster ihrer kleinen Lehmhütte. Vor einigen Wochen bekam sie die Nachricht von der Front, dass ihr Mann gefallen sei. Heute hält sie ebensolchen Brief in der Hand, der ihr die Nachricht vom Tode ihres einzigen Sohnes kundtut. „Was soll nur aus mir werden?“, fragt sie sich. Der Mut und die Hoffnung haben sie endgültig verlassen. Da sieht sie von ihrem Platz am Fenster, diese einsame Frau mit dem Kind. Sie kennt diese suchenden Gestalten. Bisher wartete sie auf ihren Sohn, heute weiß sie, sie kann Quartier geben. Sie öffnet das Fenster und ruft die Frau zu sich heran und bittet sie hereinzukommen. Verwundert nimmt die junge Frau an und tritt ein. Die Hütte ist so klein, dass die junge Frau den Kopf einziehen muss und doch ist es ein Obdach. Die beiden Frauen haben sich viel zu berichten, während das Kind auf der Ofenbank schläft. Nach dem Gespräch wissen beide, sie werden es gemeinsam versuchen.
Verzicht? Ja und nein. Beide Frauen haben etwas geschenkt bekommen. Die eine ist nicht mehr einsam und die andere hat ein Dach über dem Kopf. Und doch auch Verzicht. Die alte Frau gibt einer Fremden Obdach für viele Jahre. Da heißt es zusammenrücken, sich selbst zurücknehmen um ein friedliches Miteinander möglich zu machen. Verzicht auf persönliche Freiheit. Auf den anderen eingehen, miteinander das wenige, was da ist, teilen. Mit Gottes Segen machen beide es möglich.

(c) Christina Telker

Herzlichen Dank an Christina vom

Garten der Poesie

für die freundliche Erlaubnis zur
Veröffentlichung von Text und Bild!

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. kutukamus
    Jan 09, 2021 @ 16:27:28

    May there be peaceful coexistence all around

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  2. christlicheperlen
    Jan 05, 2021 @ 11:38:21

    Prima Gedanken dabei, vielen lieben Dank! Herzlichen Gruß zurück!

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  3. Rainer Kirmse , Altenburg
    Jan 05, 2021 @ 11:34:41

    Das oberste Gebot der Zeit
    Muss heißen Nachhaltigkeit.
    Zerstören wir uns’re Erde nicht –
    Nachhaltig leben ist kein Verzicht.

    WEIHNACHTSGEDANKEN

    Nun ist sie da, die Weihnachtszeit;
    Es wird dem Konsume gefrönt
    Und der Gaumen wieder verwöhnt,
    Weit weg der Welt Hunger und Leid.

    Vielen heut‘ nicht die Sonne lacht,
    And’re sonnen sich an der Macht.
    Das Streben nach Besitz und Geld
    Ist das, was für die meisten zählt.

    Die Jagd nach ewigem Wachstum
    Bringt letztlich den Planeten um.
    Wir sollten uns Sorgen machen,
    Und nicht über Greta lachen.
    Nicht nur freitags für die Zukunft,
    Kommen wir endlich zur Vernunft.

    WENIGER IST MEHR

    Gegen den ewigen Wachstumswahn
    Muss nachhaltiges Wirtschaften her;
    Gegen den Autowahn Bus und Bahn,
    Auch im Verkehr ist weniger mehr.
    Urlaubsreisen etwas einschränken,
    Beim Essen ans Maßhalten denken;
    Statt Hühnerbrust zu fleischloser Lust.
    Beim Heizen mit den Graden geizen,
    Teilen, Second Hand der neue Trend;
    Smartphone Dauerkauf keine Option.
    Bei allem etwas Enthaltsamkeit,
    Nehmen wir uns die Freiheit.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus der Skatstadt

    Gefällt 1 Person

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