Über die Taufe mit Wasser

Kurze Impulse zur Taufe mit Wasser

Ursprung der Taufe

Die erste Taufe, die im Neuen Testament erwähnt wird, ist die Taufe durch Johannes. Er erhielt deshalb den Beinamen „der Täufer“. Johannes vollzog die Taufe im Wasser des Flusses Jordan –, sie war mit einem Sündenbekenntnis und mit der Umkehr (Buße) verbunden und geschah „als Zeichen der Umkehr“ (Mt 3,6 / Mk 1,4f / Lk 3,3ff); alles zusammen geschah „zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4). Jesus ließ sich nach den übereinstimmenden Berichten der Evangelien als Erwachsener von Johannes taufen (Mt 3,13-17 / Mk 1,9-11 / Lk 3,21-23 / Joh 1,31-34). Auch einige der späteren Jünger und Apostel wurden von Johannes getauft und auf Jesus, „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt“, aufmerksam gemacht (Joh 1,29 / Joh 1,36). In der Folgezeit tauften nach Joh 4,1f sowohl Jesu Jünger als auch Johannes. Jesus selber hat zwar die Jünger beauftragt, alle Menschen zu taufen; er selber hat nicht getauft (Joh 4,2).
In Apostelgeschichte 19,1–7, wo Paulus in Ephesus auf einige nicht näher bezeichnete Jünger trifft und ihnen bei der Taufe den Heiligen Geist spendet, wird deutlich, worin sich Johannestaufe und die Taufe auf Christus unterscheiden: Nachdem die Jünger dort von ihrer Johannestaufe berichtet haben, erklärt Paulus ihnen, dass Johannes mit der Taufe der Umkehr getauft und dazu aufgerufen habe, „dass das Volk an den glauben solle, der nach ihm kommen werde“, nämlich an Jesus Christus. Daraufhin ließen sich die Jünger des Johannes noch einmal taufen. Unterscheidende Kennzeichen dieser Taufe sind die Gabe des Heiligen Geistes und die Taufe auf den Namen Jesu Christi.

Die Bedeutung der Taufe

Die Taufe ist ein öffentliches Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus und erfolgt auf bewusste Entscheidung einer Person für ein Leben mit Christus auf ihren selbst geäußerten Wunsch hin. (CP)

Paulus erklärt in Römer 6,3 ff. die Taufe als „Begrabenwerden“ und „Neuwerdung des Lebens“. In seiner Auffassung ist sie ein Nachvollzug des Begräbnisses und der Auferstehung Jesu.

Das Hinabgesenktwerden des Täuflings in das Wassergrab, sein Verschwinden darin ist das eindrucksvolle Zeugnis, das so verständlich redende Bild von seinem Gestorben- und Begrabensein mit Christus, das aus dem Wasser Heraufsteigen das Bild von seiner Auferstehung mit Ihm. (Rudolf Brockhaus, 1856-1932)

Ich hatte nicht die abergläubische Idee, dass ich durch die Taufe gerettet werden würde, denn ich war schon gerettet. Ich suchte nicht, durch Wasser von meinen Sünden gewaschen zu werden, denn ich glaubte durch den Glauben an Jesus Christus schon Vergebung meiner Sünden zu haben. Ich sah aber die Taufe an als ein Zeichen der Reinigung für den Gläubigen, als ein Sinnbild seines Begrabenseins mit dem Herrn und als das äußere Bekenntnis von seiner Wiedergeburt. Nicht auf sie setzte ich mein Vertrauen. Ich habe die äußere Handlung nicht erfüllt, um mich einer Partei anzuschließen und Baptist zu werden, sondern um ein Christ nach apostolischem Muster zu sein. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Voraussetzungen für die Taufe

Der Katechismus der englischen Kirche hat, wie sich manche von euch erinnern werden, unter anderem die Frage: „Was wird von den Personen gefordert, die getauft werden sollen?“ Und die Antwort, die zu geben ich gelehrt wurde, lautete: „Buße, in welcher sie die Sünde aufgeben, und Glauben, in welchem sie fest an die Verheißungen glauben, die ihnen in diesem Sakrament gegeben sind.“ Ich suchte diese Antwort in der Bibel und fand, dass sie, was die Buße und den Glauben anbetrifft, ganz korrekt war. Ich verdanke es dem Katechismus der englischen Kirche, dass ich ein Baptist bin. Unter den Kongregationalisten erzogen, hatte ich mich um diese Dinge bisher nicht gekümmert. Ich hatte mir gesagt, dass ich als kleines Kind getauft worden sei, und als ich nun der Frage gegenübergestellt wurde: „Was wird von den Personen gefordert, die getauft werden sollen?“ und nun fand, dass Buße und Glauben gefordert werden, da sagte ich mir: „Dann bin ich nicht getauft; dann war jene Säuglingsbesprengung ein Missgriff und ein Irrtum, und wenn es Gott gefällt, dass ich jemals zur Buße und zum Glauben kommen sollte, dann will ich mich auch rechtmäßig taufen lassen.“ … Das erste, das ich tat, nachdem ich nach langer Zeit großer Bekümmernis endlich Ruhe in Christo gefunden, war das Neue Testament zu lesen, um zu erfahren, was der Herr für mich zu tun habe. In Gottes Wort fand ich die Pflicht der Taufe der Gläubigen. Ehe ich selbst diese Wahrheit entdeckte, war ich noch nie mit Baptisten zusammengetroffen. Ich hatte noch nicht einmal gehört, ob es überhaupt welche gebe, so nachlässig waren sie in der Verbreitung ihrer Anschauungen über diesen Punkt gewesen. Aber ich nahm das Neue Testament mit meinem Lexikon zur Hand, um zu sehen, was das Wort bedeute, und fand, dass das Wort „taufen“ untertauchen bedeute. In der Schrift fand ich, dass Gläubige untergetaucht wurden. Ich kannte niemand, der mit mir gleicher Meinung war; aber das hatte für mich nichts zu bedeuten. Wenn ich nur jemand finden konnte, der mich taufen wollte! Jedenfalls war ich entschlossen, in der einen oder anderen Weise meine Pflicht zu erfüllen. Später entdeckte ich, dass es viele gab, welche in der Heiligen Schrift geforscht hatten und zu demselben Schluss gekommen waren; mir aber schien es damals, als ob ich mich von allen Christen, die ich kannte, trennen müsse. Habe ich meinen Schritt jemals bereut? Nein. Wie manche ihn auch als unrichtig verurteilen mögen – er hat meinem ganzen Geist und Leben eine Richtung gegeben, für welche ich Gott zu danken Ursache habe. Nachdem ich die Bibel für mich selbst gelesen hatte, stand ich auf eignen Füßen. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892), Gekürzt

Wenn irgend ein junger Mensch zu mir kommt und sagt: „Können Sie mir ein Werk empfehlen, das Ihre Ansichten über die Taufe darlegt?“ so sage ich immer: „Ja, es gibt ein kleines Buch, das Sie für zwei Groschen kaufen können – das Neue Testament – ein wundervolles baptistisches Buch.“ In Wahrheit, ich gebe den Leuten nie ein anderes. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Wir glauben, dass die Taufe niemals erteilt werden sollte ohne die völlige Eintauchung des Täuflings in Wasser, und wir glauben auch, dass niemand die Taufe empfangen sollte, außer denen, welche ihren Glauben an Christum bekennen. Und hier lasst mich bemerken, dass die sehr gewöhnliche Vorstellung, wir pflegten Erwachsene zu taufen, gänzlich ein Irrtum ist. Wir streiten nicht für die Taufe der Erwachsenen; wir streiten für die Taufe der Gläubigen. Zeigt uns ein Kind, wie jung es auch sei, das an Christum glaubt, und wir nehmen es gern auf; aber wenn ein Mann so alt wie Methusalah im Unglauben zu uns kommen sollte, so würden wir zu ihm sagen: „Mein Herr, Ihr Alter gibt Ihnen sicherlich ein Anrecht auf unsre Achtung, aber es gibt Ihnen durchaus keinen Anspruch auf die Taufe, wie sie von Jesu Christo verordnet ist.“ (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

„Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein.“ (Apg 8,37) Ich kann kein Kind von der Taufe zurückhalten, das von ganzem Herzen an Jesus glaubt; andererseits aber könnte ich als ein Diener des Herrn selbst um eines ehrwürdigen Greises willen und ihm zu gefallen meines Königs Gesetze nicht abändern, sondern würde vielmehr zu ihm sagen: „Tritt zurück, bis du dich in dem passenden Zustand befindest, den Befehlen meines Herrn gehorchen zu können. Du bist nicht berechtigt, an den Vorrechten teilzunehmen, die der Familie Gottes gehören. Solange du nicht an Jesus glaubst und dich als eines Seiner Kinder erweisest, kann ich nicht gestatten, dass du an der einen oder an der anderen Vorschrift teilnimmst.“ (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Könnt ihr alles – Leben, Leib, Seele, Gesundheit, Habe oder Gabe -, könnt ihr Christo alles übergeben? Wenn ihr es nicht könnt, so glaubt ihr nicht von ganzem Herzen an Ihn, dann ist etwas da, das ihr zurückhaltet. Wenn ihr von ganzem Herzen glaubt, dann werdet ihr das ganze Herz übergeben. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Säuglingstaufe oder Taufe auf persönliche Entscheidung hin?

Die Taufe gilt den Menschen, die sich bewusst für ein Leben mit Gott entscheiden. So taufte Johannes der Täufer Menschen, die ihre Sünden bekennen konnten. Ein Baby kann dies nicht und ist auch noch sündlos. Das Neue Testament berichtet an keiner Stelle von einer Säuglingstaufe. Selbst Jesus wurde erst mit ungefähr 30 Jahren zu Beginn seines öffentlichen Dienstes getauft (Lk 3,21-23). Kleinkinder wurden hingegen von Jesus gesegnet: Da wurden Kindlein zu ihm gebracht, dass er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an. Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Und legte die Hände auf sie und zog von dannen. (Mt 19,13-15) (CP)

Die kleinen Kinder müssen dem Worte Gottes zufolge so lange warten, bis sie das heilige Evangelium der Gnade mit ihren eigenen Ohren hören und mit ihren Herzen erkennen und glauben. Alsdann ist es für sie die Zeit, sie mögen jung oder alt sein, die christliche Taufe zu empfangen, nach dem Befehl unseres Herrn Jesus Christi in seinem heiligen Evangelium. Geschähe es, dass sie vor der Zeit ihres Verstandes, in ihrer Kindheit, ehe sie zum Verständnis des Evangeliums und zum Glauben an dasselbe kommen, stürben, so sterben sie unter der Verheißung Gottes, und werden durch kein anderes Mittel selig, denn allein durch die liebreiche Verheißung der in Christo ihnen gegebenen Gnade. Sind sie aber fähig geworden, das Evangelium zu vernehmen, und haben es im Glauben ergriffen, so ist es recht, dass sie getauft werden. Wer aber das Wort Gottes weder annehmen, noch daran glauben will, er sei getauft oder ungetauft, der soll verdammet werden, wie Jesus selbst lehrt. (Mk 16,16
Die kleinen Kinder, insonderheit christlicher Eltern, haben eine besondere Verheißung, die ihnen ohne ein anderes Mittel, aus lauterer und liebreicher Gnade Gottes durch Jesum Christum unsern Herrn gegeben ist, die nämlich: „Lasset die Kindlein zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Mt 19,14) Diese köstliche Verheißung erfreut und beruhigt alle Auserwählten Gottes in Betreff ihrer kleinen unmündigen Kinder, und sie sind fest versichert, dass der wahrhaftige Mund unseres lieben Herrn Jesu Christi die Seinigen nicht täuschen noch irre leiten kann. Daraus, dass der Herr jenen Kindern, welche nach dem Evangelium zu ihm gebracht wurden, so große Barmherzigkeit erwies, dass er dieselben in seine Arme nahm, die Hände auf sie legte, sie segnete und ihnen das Himmelreich verhieß, sonst aber ihnen nichts anbefahl, noch an ihnen verrichtete, schöpfen Christen eine feste und gewisse Zuversicht für ihre Kinder zu der Gnade Gottes, dass sie nämlich Kinder des Reichs, der Gnaden, der Verheißung und des ewigen Lebens sind durch Christum Jesum, unsern Herrn , welchem allein die Ehre gebührt und nicht dem Zeichen. Ja, durch die Verheißung werden sie versichert, dass ihre lieben (unmündigen) Kinder rein, heilig, selig und angenehm vor Gott sind, sie mögen lebend oder tot sein. Sie danken daher dem ewigen Vater durch unsern Herrn Jesum Christum für die unaussprechliche Gnade und Gabe in ihren lieben Kindern, und ziehen dieselben auf in der Furcht Gottes, mit aller Weisheit, in der Zucht und Vermahnung zum Herrn, durch das Beispiel eines unsträflichen Wandels, bis dass sie das Wort Gottes selbst annehmen, daran glauben und die Früchte desselben bringen können. (Menno Simons, 1496-1561)

Bei dem Säugling und dem unmündigen Kinde fehlen die inneren Voraussetzungen für den Empfang der Taufe, nämlich Buße und gläubiges Heilsverlangen, die nach unsern Ausführungen im Neuen Testament von dem Täufling gefordert werden. Deshalb kann die Kindertaufe der neutestamentlichen Taufe nicht entsprechen. Wo man die Kindertaufe vertritt, ist man vor eine doppelte Möglichkeit gestellt: entweder nimmt man der Taufe die Heilsbedeutung, die sie nach der Schrift hat, und gibt ihr bewusst oder unbewusst einen anderen Sinn, oder aber man macht die Taufe zu einem mechanischen, ja magischen Heilsmittel, durch welches man dem Kinde die göttlichen Gnadengüter ohne dessen eigene sittliche Mitwirkung vermitteln will und auch glaubt, dass sie es empfängt. (Karl Krull, 1907)

Untertauchen oder mit Wasser besprengen?

Das griechische Wort für taufen „baptizein, von baptein = tauchen, eintauchen abgeleitet“ bedeutet untertauchen. Auch das deutsche Wort taufen erinnert an diese Bedeutung. Den Sinn von „begießen“ oder gar besprengen hat baptizein niemals. Im Neuen Testament kommt es einige Male vor in der Bedeutung von waschen (vergl. Mk 7,4 / Lk 11,38). Johannes, der Vorläufer des Herrn, hat auch seine Taufe nicht durch Begießen, wie man es in Bildern oft dargestellt findet, sondern unzweifelhaft durch Untertauchen vollzogen. Da zahlreiche Scharen zu ihm kamen, taufte er deshalb im Jordan oder an einem Ort wie Aenon, weil viel Wasser (eig. viele Wasser) daselbst waren (s. Joh 3,23). Welche Bedeutung hätte auch die Taufe zur Buße, d. h. zur völligen Sinnesänderung (Mt 3,11), oder die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden (Mk 1,4 / Lk 3,3) als Bild haben können, wenn der Täufling nicht untergetaucht, d. h. ganz gewaschen bzw. in bildlichem Sinne ganz gereinigt worden wäre? (Rudolf Brockhaus, 1856-1932)

Wenn wir erwägen, dass Philippus und der Kämmerer beide „hinabstiegen in das Wasser“ (Apg 3,38); dass unser Heiland „bald herauf aus dem Wasser stieg“ (Mt 3,16), nachdem Johannes Ihn getauft hatte; dass Johannes nahe bei Salim taufte „,denn es war viel Wasser daselbst“ (Joh 3,23), so meine ich, ist es sehr ersichtlich, dass etwas mehr als Besprengen oder Begießen mit Wasser darunter verstanden wird. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Die Frage: Was heißt taufen? ist zunächst eine rein sprachliche. Das entsprechende Wort im Neuen Testament heißt „baptizein“ und bedeutet überall da, wo es im gewöhnlichen Sinne vorkommt, nichts anderes als „untertauchen“ oder „eintauchen“. Das Wort findet sich öfters in der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die zu Jesu und der Apostel Zeiten so gebräuchlich war, wie es bei uns die Lutherbibel ist. Dort kommt selbstverständlich das Wort nicht von der Taufhandlung vor, da das Alte Testament dieselbe noch nicht kennt, aber um so lehrreicher ist der Gebrauch, den die Septuaginta von dem Worte baptizein macht. Josephs Brüder tauchen den bunten Rock in das Blut eines Böckleins ein; Moses gebietet den israelitischen Hausvätern, ein Ysopbüschel ins Blut des Passahlammes zu tauchen; in seinem Segen weissagt er von Asser, derselbe werde seinen Fuß in Öl tunken, und Boas erlaubt der Ruth, ihren Bissen Brot in den Essig zu tunken, der zur Erfrischung seiner Schnitter aufgestellt ist; Hasael taucht die Decke, womit er den König Benhadad erstickt, in Wasser ein (2. Kön 8,15). – In allen diesen Stellen ist in der griechische Bibel das gleiche Wort wie im Neuen Testament für Taufen gebraucht, woraus die Bedeutung „eintauchen“ für dasselbe zweifellos erwiesen wird. Den Sinn von „Besprengen“ hat das Wort baptizein auch nicht ein einziges Mal, weder im Alten noch im Neuen Testament. Dagegen finden sich im Alten Testament noch zwei Stellen, wo der Gebrauch des Wortes ganz auffallend an die neutestamentlichen Taufhandlung erinnert. Von den Priestern nämlich, welche mit der Bundeslade den Jordan durchschritten, wird uns gemeldet, sie hätten ihre Füße in das Wasser desselben getaucht; der syrische Feldhauptmann Naeman aber hat sich siebenmal im Jordan untergetaucht, was die Septuaginta ganz mit denselben Worten melde, wie wenn es heißen sollte „Er taufte sich im Jordan“ (2. Kön 5,14). Was nun aber so im Alten Testament ein ganz neutrales Vorkommnis ist, erscheint im Neuen Testament plötzlich zu einer religiösen Handlung gestempelt. Die Unter- oder Eintauchung in Wasser wird zum Zeichen der Sinnesänderung, zum Übergang in ein neues geistiges Gebiet, das zunächst etwas unbestimmt „Himmelreich“ oder „Reich Gottes“ genannt wird, bald aber in der Person Jesu Christi als dem Vertreter und Vermittler desselben eine bestimmte Gestalt gewinnt, so dass auch die Taufe zum Eintritt in Seine Gemeinschaft, zur Hingabe wird an Seine Person. (Franz Eugen Schlachter, 1859-1911)

Taufformeln

Dort, wo die Taufhandlung selbst in der Bibel näher beschrieben wird, lautet die Taufformel: „auf den Namen Jesu Christi“ (Apg 2,38 / Apg 8,16 / Apg 10,48 / Apg 19,5 / Röm 6,3 und Gal 3,27).
Das Matthäusevangelium endet mit dem sogenannten Tauf- oder Missionsbefehl Christi: „Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,18-20) Die Taufformel „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ kommt nur in diesem im Evangelium enthaltenen „Taufbefehl“, nicht aber in den Tauferzählungen der Apostelgeschichte und der Briefe des Paulus, vor. Der Name des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes ist Herr Jesus Christus. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind zwar Titel, allerdings keine Namen. Demnach ist die klarere Taufformel, direkt auf den Namen Jesus Christus anstatt auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, nicht nur die biblisch üblichere, sondern eigentlich auch die schönere Formel. Wenn Sie sich taufen lassen möchten, äußern Sie im Vorfeld, welche Formulierung Sie wünschen. Mitunter wird noch ein Zusatz hinzugefügt. Dann heißen die Taufworte zum Beispiel: „Ich taufe dich auf den Namen Jesus Christus auf dein Bekenntnis hin. Amen.“ oder nach Römer 6,3 „Ich taufe dich auf den Namen Jesu Christi in seinen Tod hinein. Amen.“

Ablauf der Taufe

Für die Tauffeier gibt es keine fest vorgeschriebene Liturgie. In der Regel hat sie jedoch folgenden Ablauf: Der Täufling bekennt sich mit eigenen Worten vor den Anwesenden zu Jesus Christus. Oft schließt sich an das persönliche Zeugnis das gemeinsam gesprochene Apostolische Glaubensbekenntnis an. Danach steigt der Täufling (meist weiß gekleidet) in das Taufbecken oder – sofern die Taufe im Freien stattfindet – in das Gewässer, wo bereits der Täufer (Pastor oder Gemeindeältester) auf ihn wartet. Ein Taufspruch (Vers aus der Bibel) wird verlesen. Daraufhin wird der Täufling durch einmaliges Untertauchen auf den Namen Jesu getauft. Anschließend wird der Getaufte unter Handauflegung von den Ältesten der Gemeinde gesegnet. Eine Abendmahlsfeier kann den Taufgottesdienst beschließen.

Die Taufe mit dem Heiligen Geist

Die Taufe ist eng mit der Gabe des Heiligen Geistes verbunden. Johannes der Täufer wies auf Jesus Christus hin, der mit heiligem Geist und Feuer taufe (Mt 3,11). In seiner Pfingstpredigt ruft der Apostel Petrus öffentlich zur Taufe (im Wasser) auf. Er verheißt denen, die umkehren und sich zur Vergebung der Sünden taufen lassen, dass sie den Heiligen Geist geschenkt bekommen: „Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch und euren Kindern gilt die Verheißung und all denen in der Ferne, die der Herr, unser Gott, herbeirufen wird.“ (Apg 2,38-39) Als der heilige Geist auf den ungetauften Hauptmann Kornelius und andere Nichtjuden, die sich mit ihm versammelt hatten, fiel, überzeugte dies die Judenchristen, dass auch Nichtjuden getauft werden dürfen, weil der Heilige Geist auch auf sie ausgegossen wurde (Apg 10,45).

Gebet vor der Taufe

Lieber Herr Jesus, danke, dass Du uns bis zu diesem Moment bewahrt und so unendlich viel für uns getan hast. Du hast uns geschaffen, weil Du uns haben wolltest aus lauter Liebe. Du bist auch den Täuflingen begegnet und hast ihnen gezeigt, dass Du ihr ganzes Leben bei und in ihnen sein möchtest. Du hast sie in Deine Nachfolge gerufen und sie haben Dir geantwortet. Nun sind sie hier und bezeugen vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt, dass sie mit Dir leben wollen. Wo schlechte Dinge gewesen sind, da bitten wir Dich um Vergebung. Wasche alles ab, was Dir nicht gefiel, der Du am Kreuz für unsere Schuld bezahlt hast. Schenke bitte aus Gnaden einen Wandel, der Dich in allen Bereichen verherrlicht und vielen Menschen dient. Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft. Doch bitte, erfülle Du die Täuflinge mächtig mit Deinem Heiligen Geist und übernimm ihr ganzes Leben zu Deiner Ehre. Wir danken Dir von Herzen dafür. Amen. (CP)

Gebet für Getaufte

Herr Gott himmlischer Vater, der du dich mit deinem heiligen Geist in allen Gnaden bei der Taufe deines lieben Sohnes, der unser aller Sünde auf sich geladen hat, hast offenbaret und uns mit deiner Stimme zu jemand gewiesen, dass wir durch ihn Vergebung der Sünde und alle Gnade haben sollen: Wir bitten dich, erhalte uns in solcher Zuversicht und weil wir nach dem Befehl und Exempel deines Sohnes auch getaufet sind, stärke unsern Glauben durch deinen heiligen Geist und hilf uns zum ewigen Leben. AMEN. (Veit Dieterich, 1506-1549)

Geschichten zur Taufe

Yam Sing, der sich bei der Baptistengemeinde in San Francisco um die Taufe und um die Mitgliedschaft bewarb, wurde zuvor hinsichtlich seiner gemachten Erfahrungen geprüft und auf die Frage: „Wie sind Sie denn dazu gekommen, den Herrn Jesus zu suchen und zu finden?“ gab er die Antwort: „Ach, ich habe Ihn gar nicht gesucht. Er hat mich gesucht und da hat Er mich und ich habe Ihn gefunden!“ Er wurde aufgenommen. (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

In einer chinesischen christlichen Familie zu Amoy bat ein kleiner Knabe, das jüngste von drei Kindern, seinen Vater, sich um die Taufe bewerben zu können. Sein Vater antwortete ihm, dass er zu jung dazu sei. Darauf gab er die rührende Antwort: „Jesus hat versprochen, die Lämmer in seinen Arm zu sammeln und in seinem Busen zu tragen. Ich bin nur ein kleiner Knabe; so wird es Ihm um so leichter sein, mich tragen zu können.“
– Ein Vater sagte zu seinem Sohn, der getauft zu werden wünschte, dass er noch zu jung sei, um in die Gemeinde aufgenommen werden zu können. Er müsse es zuvor deutlich kundtun, dass sein Glaube an Jesus ein neues, kräftiges Leben bewirkt habe. Als beide eines Tages ins Feld gingen, sahen sie ein Lamm, das sich verirrt hatte und nach der Schafmutter blökte. Der Vater sagte zu seinem Söhnchen: „Wir wollen das Lämmchen mitnehmen und es in den Stall zu dem Mutterschaf bringen.“ Der Knabe erwiderte: „Lieber Vater, wollen wir es nicht lieber sechs Monate auf dem Feld lassen, um zuzusehen, ob es auch am Leben bleiben wird? Wenn es stark genug ist und das Leben behält, können wir es ja nachher nach dem Stall bringen.“ Der Vater fühlte die Wahrheit, die in diesen Worten lag. Sie drang ihm ins Herz, und er sagte: „Nein, wir wollen das Lamm doch heimtragen, und ich will nichts dagegen einwenden, wenn du dich um Aufnahme in des Herrn Herde melden willst.“ „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes.“ (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Vor einigen Jahren kam ein Mann zu mir und wünschte getauft zu werden. Ich richtete die Frage an ihn: „Warum wünschen Sie das?“ Er antwortete: „Weil ich ein Christ werden möchte.“ „Aber,“ fragte ich, „denken Sie denn, dass die Taufe Sie zu einem Christen machen werde?“ „Jawohl,“ sagte er. „Dann“, erwiderte ich, „sind Sie aber sehr im Irrtum. Wir taufen niemand als solche, welche bekennen, durch den Glauben an Jesus bereits gerettet zu sein.“ Der Mann schien über diese Idee äußerst verdutzt, denn er hatte irgendwie den Gedanken in seinen Kopf aufgenommen, dass in der Verordnung selbst etwas Wirksames liegen müsse, und als ich versuchte, ihm zu erklären, dass die Heilige Schrift für einen solchen Gedanken gar keinen Anhalt biete und dass wir darum niemand taufen würden, welcher sich nicht bereits gerettet glaube, ging der Mann ganz verblüfft hinweg. Doch ich hoffe, dass er auch mit dem Entschluss wegging, sich ernste Fragen vorzulegen wie: „Wie kommt es, dass ich kein Christ bin? Wie geht es zu, dass ich kein Nachfolger Christi bin und dass der Prediger sich darum weigerte, mich zu taufen, und dass er in mich drang, zuerst nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit zu trachten und mich danach, aber nicht vorher, taufen zu lassen?“ (Charles Haddon Spurgeon, 1834-1892)

Aus Uganda berichtet Missionar Fischer: „Am 2. Dezember tauften wir in unserer Kirche zu Kitunzi die ersten acht Bekehrten. Es waren etwa 500 Heiden anwesend, manche natürlich, weil sie die Taufe sehen wollten. Aber bei dieser Gelegenheit hörten sie das Evangelium. Das kurze Glaubensbekenntnis, das jeder Täufling ablegte, machte einen so tiefen Eindruck auf die Heiden, dass wir noch eine Zusatzversammlung abhalten mussten, in welcher 85 Männer, Frauen und Knaben sich für Jesum entschieden, von denen 30 sich seitdem zur Taufe gemeldet haben und in den Taufunterricht aufgenommen worden sind.“ (Franz Eugen Schlachter, 1859-1911)

Jordan Taufstelle:

Jordan Taufstelle

Dieser Artikel ist (auch auszugsweise) zur Vervielfältigung für nicht kommerzielle Zwecke freigegeben. Alle Artikel der Kategorie Taufe untereinander. Malvorlagen zum Thema Taufe gibt es in der Ausmalbilderrubrik unter den Stichworten „Johannes der Täufer“ und Philippus und der Kämmerer“. Bastelideen und mehr findet man unter den gleichen Stichworten in der Bastelrubrik

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