Pepe und der Weihnachtsstern

Pepe und der Weihnachtsstern

Hastend strebten die Menschen hin und her, von einem Kaufhaus zum anderen, als ob in den letzten elf Monaten alle Läden geschlossen hatten. Jeder wollte auf die Schnelle noch ein paar Weihnachtsgeschenke besorgen. Pepe schlenderte durch die Straßen und drückte sich ab und an, an den Schaufensterscheiben die Nase platt. Oh, wie schön war doch alles anzusehen. Es glitzerte und funkelten, dass der Junge gar nicht wusste, wo er zuerst hinschauen sollte. Manchmal sah er Kinder an der Hand der Eltern die Straßen entlang hüpfen, sie sangen und waren voller Vorfreude auf das baldige Weihnachtsfest. Nur Pepe lief allein durch die Straßen. Durch seine dünne Jacke pfiff der Wind, dass sich der Junge ab und an vor Kälte schüttelte. Doch wollte er noch nicht nach Hause gehen, seine einzige Freude war, sich die Schaufenster und die geschmückten Straßen anzuschauen. Manchmal fand er einen Stiel mit einem Rest Zuckerwatte daran, die ein Kind vorzeitig weggeworfen hatte. Heimlich hob er diesen Stiel auf und genoss den kleinen Rest Zuckerwatte, wie einen Schatz. Kam er dann doch abends nach Hause, wenn alle Läden geschlossen hatten, wartete auf ihn eine kalte, triste Wohnung. Schnell aß er die angetrocknete Stulle, die ihm seine Mutter hingestellt hatte und ging ins Bett. Bald war er eingeschlafen und schlief fest bis zum Morgen. Seine Mutter kam erst in der Nacht von ihrer schweren Arbeit heim. Immer, wenn er mit seiner Mutter über Weihnachten sprechen wollte, sagte sie: „Das ist ein Fest für die Reichen. Ich bin froh, dass ich die Miete zahlen kann und wir etwas zum Leben haben.“ Dann schwieg Pepe und dachte daran, wie er am Nachmittag wieder durch die Straßen der Stadt laufen würde. In der Schule kannten die Kinder kein anderes Thema, als das Weihnachtsfest. Sie schwärmten sich gegenseitig vor, was sie an Geschenken unter dem Tannenbaum erwarten würde. Pepe wusste, er würde nicht einmal einen Tannenzweig mit einer Kerze haben. Ganz im Stillen liefen ihm manchmal die Tränen, doch dann dachte er an die Worte des Vaters, der schon lange nicht mehr bei ihnen war. „Ein Junge weint nicht.“ Er wischte sich die Tränen mit seinem Jackenärmel ab und lief weiter. Als er am Abend nach Hause kam, fühlte er sich nicht einmal hungrig und ließ sich sofort ins Bett fallen. „Was hat der Junge nur?“, überlegte die Mutter, als sie heimkam und das Abendessen unangerührt sah. Pepe war sofort eingeschlafen und träumte davon, wie er durch die Straßen lief und erfreute sich an den bunten Schaufenstern. Als er den Weg zu seinem Haus abbog, sah er unter einem kahlen Strauch einen Karton liegen. Voller Vorfreude öffnete er den Karton. ‚Vielleicht hat einer den Karton verloren und für ihn wäre auch Weihnachten‘, dachte er. Doch kaum hatte Pepe den Deckel des Karton geöffnet, hüpfte etwas heraus. Als Pepe genauer hinschaute, erkannte er, dass es ein wunderschöner Stern war. Dieser Stern leuchtete heller, als alle anderen Sterne, die er je gesehen hatte. Der Stern hüpfte vor ihm her, als ob er den Jungen locken wollte ‚Komm mit!‘ Pepe lief und lief über Felder, durch Wälder, durch Städte und Dörfer immer dem Stern hinterher. Plötzlich erhob sich der Stern in die Lüfte und blieb oben am Himmel über einem Stall stehen. Pepe schaute sich um, und da er weit und breit keinen Menschen sah, trat er ein in den Stall. Dort sah er zwei Menschen und ein Kind in der Krippe. „Das ist aber schön, dass du uns besuchst“, sagte die Frau zu ihm.  „Heute ist Weihnachten!“ Pepe kniete sich neben das Baby und streichelte behutsam das kleine Wesen. „Weihnachten!“, wiederholte Pepe mit einem Lächeln und erwachte. Verdutzt sah er sich um, und als er merkte, dass er daheim in seinem Bett war, wollte er gerade wieder die Augen schließen, als er die Worte der Mutter vernahm: „Pepe, ich bin ja so froh, dass du wieder wach bist. Du warst schwer krank“, hatte der Arzt gesagt, den ich rufen musste. „Unterkühlung und schwere Grippe“, meinte er. Pepe sah seine Mutter an und sagte: „Ich habe das Christkind gesehen. Der Stern hat mich zu ihm geführt!“ „Das Christkind hat dir auch einiges mitgebracht, schau einmal her“, sagte die Mutter und zeigte auf den Tisch im Zimmer. „Als deine Klassenkameraden hörten wie krank du bist und dass bei uns Weihnachten ausfallen muss, brachten sie alle eine Kleinigkeit für dich, von ihren Gaben vorbei.“ Pepe hob den Kopf und konnte es gar nicht fassen, dass so viele schöne Geschenke für ihn sein sollten. Als es ihm wieder besserging, kamen seine Mitschüler aus der Klasse und besuchten ihn. Einer nach dem anderen lud Pepe für einen Nachmittag zu sich ein. Welch eine Freude. „Das ist Weihnachtsfreude!“, sagte Pepe, abends daheim zu seiner Mutter. Die Freunde, die Pepe gefunden hatte, hielten ein Leben lang zu ihm. Oft dachte er noch an den Stern und das Kind in der Krippe.

© Christina Telker

Herzlichen Dank an Christina von

Christinas Weihnachtsmärchen

für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung
der wunderschönen Geschichte mit Bild!

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